CO2-Bilanzierung für Unternehmen im Mittelstand

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​veröffentlicht am 11. November 2021

 

Der Klimawandel ist aus dem öffentlichen Diskurs nicht mehr wegzudenken. Forderungen an die Politik zur Festlegung konkreter Maßnahmen und Pläne durch die Bevölkerung werden immer lauter. Die im Pariser Klimaabkommen geplante CO₂ -Neutralität bis 2050 setzt eins voraus: die Erfassung von CO₂-Emissionen. Somit bleiben auch Wirtschaftsunternehmen nicht verschont, konkrete Informationen über ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten und den damit verbundenen Treibhausgasemissionen zu ermitteln. Dabei stehen nicht nur große Konzerne in der Verpflichtung, sondern auch kleine und mittelständische Betriebe. Die Unterstützung des Wirtschaftssektors ist essenziell, um die nationalen und internationalen Klimaschutzziele zu erreichen.

CO₂ wird von vielen Unternehmen nicht mehr als abstrakte Umweltkennzahl begriffen, Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind keine vagen Begriffe mehr – sie haben sich zu einem wichtigen Managementthema herausgebildet. Die Politik forciert diese Entwicklung durch neue regulatorische Vorgaben. Die Europäische Kommission kündigte im April 2021 etwa an, die erstmals 2014 verfasste „Corporate Social Responsibility Directive” – kurz CSRD, oder auch CSR-Richtlinie – zu verschärfen. Der Kommissionsentwurf sieht vor, dass zukünftig alle großen Unternehmen, unabhängig davon, ob sie kapitalmarktorientiert sind oder nicht, Nachhaltigkeitsinformationen im Lagebericht veröffentlichen müssen.


Mittelständische, nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen sind von einer verpflichtenden CSR-Berichterstattung bislang nicht unmittelbar betroffen gewesen. Doch das zunehmende Interesse an Nachhaltigkeit spiegelt sich auch in den steigenden Erwartungen der Stakeholder wider. Nachhaltige Geschäftspraktiken sind mittlerweile fest in der gesamten Liefer- und Wertschöpfungskette verankert. Folglich sind nicht nur große, in der Öffentlichkeit stehende Unternehmen von der Erfüllung von definierten Nachhaltigkeitskriterien und einer transparenten Berichterstattung betroffen, sondern auch Zulieferer und Lieferanten.

Der Druck für Unternehmerinnen und Unternehmer nimmt zu. Sie stehen in der Verantwortung, konkrete Nachhaltigkeitsinformationen einzuholen und einen klaren Fahrplan für die Zukunft zu definieren. Mit der Erfassung des CO₂-Fußabdrucks erhalten sie einen Überblick über die Klimawirkungen des eigenen Unternehmens. Die CO₂-Bilanz bildet damit den Ausgangspunkt, um einen ganzheitlichen und maßgeschneiderten Dekarbonisierungsfahrplan zu entwickeln und lässt sich bequem in die Nachhaltigkeitsberichterstattung einbinden.

 

CO₂-Bilanz bestimmen 

Im Rahmen einer CO₂-Bilanzierung werden alle im Unternehmen oder durch die Tätigkeiten des Unternehmens aufkommenden Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) erfasst. Nach dem weltweit anerkannten Greenhouse Gas Protocol Standard werden alle Emissionen in sogenannte Scopes unterteilt:

  • Scope 1 deckt alle direkten Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen ab (z.B. Betrieb des eigenen Fuhrparks).
  • Scope 2 misst Emissionen, die bei der Erzeugung von Energie anfallen (z.B. Strom, Wärme, Kälte, Dampf). Es handelt sich hierbei um indirekte Emissionen, die dem Unternehmen jedoch eindeutig zugeordnet werden können.
  • Scope 3 umfasst alle sonstigen, indirekten Emissionsquellen, die aus vor- und nachgelagerten Unternehmenstätigkeiten resultieren. 


Für Unternehmen beginnt der Bilanzierungsprozess mit einer Bestandsaufnahme. Nachdem Unternehmen das Emissionsinventar aufgestellt haben, gilt es die CO₂-Bilanz zu berechnen und „Hotspots” zu identifizieren. Anhand dessen können Unternehmen zielgerichtet Maßnahmen festlegen und einen individuellen Reduktionsfahrplan entwickeln.

 

 

Schritte CO2 Bilanzierung


Insbesondere auf die in Scope 1 und 2 anfallenden Emissionen können Unternehmen direkt Einfluss nehmen. Dazu zählt zum Beispiel die Elektrifizierung des Fuhrparks oder der Einsatz moderner, energieeffizienter Geräte. Auch der Einkauf und die Erzeugung von grünem Strom durch eine eigene Photovoltaik-Anlage auf dem Firmendach kann die bestehende Menge an CO₂-Emissionen deutlich verringern. Welche Maßnahmen für das jeweilige Unternehmen am effizientesten und kostengünstigen sind, ist individuell zu prüfen. Das hängt insbesondere davon ab, um welches Geschäftsmodell es sich handelt und wo sich die „Hotspots” des Unternehmens befinden.

 

Erfolgsfaktor CO₂-Bilanz

Die quantitative Erfassung des CO2-Fußabdrucks bildet das Fundament einer effektiven Klimaschutzstrategie. Doch nur wenige Unternehmen erfassen ihre Treibhausgas-(THG)-Emissionen systematisch. Dabei sprechen mehrere Gründe für ein freiwilliges CO2-Reporting und Controlling:

  1. Durch die Analyse und Bestimmung von Emissionsquellen ergeben sich Daten bezüglich ihrer Höhe, Ursprungs und Kosten. Die CO₂-Bilanzierung dient somit nicht nur der Ausrichtung eines Unternehmens auf die Thematiken Nachhaltigkeit und Klimaschutz, sondern kann dazu dienen, Optimierungspotenzial in Unternehmensprozessen aufzudecken und Kosten zu reduzieren. 
  2. Die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen ermöglicht es Unternehmen, Chancen und Risiken in Bezug auf den Klimawandel zu bewerten und bei Bedarf etwaige Kursanpassungen vorzunehmen. Wirken sich Extremwetterereignisse erheblich auf die eigene Lieferkette aus? Wie resilient ist das eigene Geschäftsmodell gegenüber dem Klimawandel und dessen Folgewirkungen? Solche Fragen sind nicht nur für die Geschäftsleitung relevant, sondern interessieren auch Investoren. 
  3. Der deutsche Mittelstand sollte sich in den kommenden Jahren auf zunehmende regulatorische Anforderungen gefasst machen. Vorbereitung ist dabei das A und O – es spart nicht nur Kosten, sondern sichert die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens. 
  4. Bei der Erreichung der nationalen Klimaziele ist die deutsche Bundesregierung auf die Unterstützung des Privatsektors angewiesen. Unternehmen werden zukünftig hart an ihrem Fortschritt gemessen werden. Eine solide Datenbasis ist deshalb entscheidend, um wirksame Minderungsstrategien zu entwickeln.
  5. Eine transparente Kommunikation und die Offenlegung klimaschutzbezogener Daten fördert das Vertrauen der Stakeholder. Dies kann mittelständischen Unternehmen dabei helfen, (neue) Kundinnen und Kunden zu gewinnen und zu binden – denn immer mehr Menschen achten auf soziale und ökologische Aspekte in ihren Konsumentscheidungen. 

 

Fazit

Die Thematiken des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit werden uns noch lange begleiten, im Angesicht der nationalen Pläne zum Klimaschutz und zur CO₂-Neutralität wird es auch in Zukunft immer mehr Pflichten für Unternehmen jeglicher Größe geben. Ein strategisches CO₂-Reporting kann dabei helfen, Chancen und Risiken aufzudecken, Kosten zu sparen, Wettbewerbsvorteile zu sichern und der Kundschaft mit Offenheit und Transparenz zu begegnen. Während erfahrene Unternehmen ihre CO₂-Bilanz weiter professionalisieren werden, empfiehlt es sich für kleine und mittelständische Unternehmen, die unternehmensseitigen THG-Emissionen systematisch zu erfassen und offenzulegen. Mit einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsmanagementansatz stärken Sie nicht nur Ihre Stakeholderbeziehungen, sondern investieren auch in die Zukunftsfähigkeit Ihrer Organisation.

Wir helfen Ihnen gerne dabei, Ihre Ausgangssituation mit einer CO₂-Bilanz als Status-Quo-Analyse zu bestimmen und maßgeschneiderte Handlungsempfehlungen für Ihr Unternehmen zu erarbeiten. Unser interdisziplinäres Expertenteam unterstützt Sie bei Fragen rund um die CO₂-Bilanzierung sowie bei der Umsetzung konkreter Projekte.

 

 

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