Außenhandel mit ASEAN: Vielversprechende Möglichkeiten

Die Staatengemeinschaft ASEAN zählt zu den wichtigsten Handelspartnern der EU außerhalb Europas. Die Attraktivität dieses Raumes wird einerseits durch günstige Produktionsbedingungen andererseits durch vielfältige Freihandelsabkommen erreicht, die u.a. zur Erleichterung der Geschäftsabwicklung beitragen.
 
Welche Bedeutung der ASEAN-Raum für den europäischen Außenhandel hat, lässt sich sehr gut anhand einer einfachen Zahl feststellen. So weist die Europäische Union, laut Angaben der Europäischen Kommission, ein jährliches Handelsvolumen für Waren und Dienstleistungen von etwa 175 Milliarden Euro auf – Tendenz steigend. Dies bedeutet, dass der ASEAN-Raum der drittgrößte Handelspartner der EU außerhalb Europas ist.
 
Relevanter Faktor für funktionierende Außenhandelsbeziehungen sind möglichst geringe Aufwände in der Geschäftsabwicklung sowie niedrige Zollsätze, um den Warenhandel zwischen den Ländern preisgünstig gestalten zu können.
 
Diesem Umstand tragen u.a. Freihandelsabkommen Rechnung, die auf zwischenstaatlicher Ebene regeln, dass bspw. Zölle für gewisse Produkte abgebaut und weitere Handelsschranken reduziert werden.
 
Weltweit bestehen mehr als 300 bilaterale und multilaterale Freihandelsabkommen. Die Europäische Kommission geht davon aus, dass künftig fast 90 Prozent der weltweiten Nachfrage außerhalb der EU bedient wird. Dies stellt für die europäischen Staaten ein gewaltiges Potenzial dar. Freihandelsabkommen beinhalten je nach Ausgestaltung unterschiedliche Erleichterungen, wie insbesondere den Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse und die Reduzierung von Zöllen. Trotz der Ergebnisse von Bali werden auch weiterhin Freihandelsabkommen zwischen einzelnen Staaten geschlossen, schon um sich voneinander abzugrenzen.
 
Die ASEAN-Freihandelszone umfasst die folgenden Länder:
  • Brunei,
  • Indonesien,
  • Kambodscha,
  • Laos,
  • Malaysia,
  • Myanmar,
  • Philippinen,
  • Singapur,
  • Thailand,
  • Vietnam.
 
Diese Länder haben wiederum eine Freihandelszone mit China, die ACFTA (ASEAN-China Free Trade Area), geschlossen. Aktuell wird von den ASEAN-Staaten gemeinsam mit weiteren 6 Staaten (Australien, China, Indien, Japan, Neuseeland und Südkorea) geplant, im Jahre 2015 eine sog. ASEAN+6 Freihandelszone zu schaffen, welche die wirtschaftliche Präsenz dieses Wirtschaftsraumes weiter erheblich verstärken würde.
 
Die EU dagegen geht einen anderen Weg und verhandelt derzeit nicht mit allen ASEAN-Staaten über ein gemeinsames Abkommen. Stattdessen sollen mit einzelnen Ländern sukzessive Abkommen geschlossen werden. Die Verhandlungen u.a. mit Malaysia und Vietnam sind derzeit in vollem Gange. Das im Jahr 2012 geschlossene Freihandelsabkommen mit Singapur, das Anfang 2015 in Kraft treten soll, dient dabei als Vorbild.
 
Die Inanspruchnahme der sich aus den Abkommen ergebenden Zollpräferenzen, d.h. ein gegenüber dem normalen Drittlandszollsatz reduzierter Zollsatz, ist im internationalem Handel und insbesondere bei der Planung eines neuen Produktions- oder auch Logistikstandorts von großer Bedeutung. Bei solchen Projekten sind bereits frühzeitig unternehmensstrategische Entscheidungen zu treffen, bei denen die Vorteile aus einer Freihandelszoneneinbindung nicht vernachlässigt werden dürfen – insbesondere, da Zollsätze die Preiskalkulation in der Produktplanung und auch im Produktlebenszyklus maßgeblich beeinflussen können. Somit sollte in diesen Projekten bereits zu Beginn eine mögliche Inanspruchnahme von Präferenzen, resultierend aus den unterschiedlichen Freihandelsabkommen, geprüft werden.
  
So kann es bspw. für ein Unternehmen interessant sein, eine Produktionsstätte mit entsprechender Wertschöpfungstiefe in einem Land aufzubauen, das sehr viele Freihandelsabkommen geschlossen hat, um sich so u.a. den günstigen Zugang zu einer ganzen Region, wie beispielsweise dem ASEAN-Raum, zu verschaffen. Dies kann einerseits zu höheren Margen führen, andererseits kann es aber auch gegenüber den Wettbewerbern ein Vorteil sein, um sich Marktanteile zu sichern oder auszubauen.
 
Die in den Abkommen festgelegten Zollersparnisse können jedoch nicht uneingeschränkt in Anspruch genommen werden, da die Nutzung der Zollpräferenz meist abhängig von dem jeweiligen Ursprungsland der Ware ist. Nur Güter mit Herkunft aus den Abkommensländern sind präferenzbegünstigt. Wann ein Gut als Ursprungsware eines Landes gilt, bestimmt sich nach den in den Abkommen festgelegten Bedingungen. Freihandelsabkommen können also ein echter Wettbewerbsvorteil für ein Land darstellen.
 
Die Komplexität der international bestehenden Freihandelsabkommen und deren unterschiedliche Ausprägungen stellen für viele Unternehmen, die in die entsprechenden Märkte investieren möchten, ein teilweise kaum zu durchdringendes Dickicht an Regelungen und Informationen dar. Nichtsdestotrotz besteht hier sehr großes Potenzial, das neben der Kosten-/Preis-Seite, auch die Marktanteilsabsicherung/-gewinnung betrifft.
 
zuletzt aktualisiert am 07.09.2016

 Kontakt

Contact Person Picture

Ewald Plum

Dipl. Finanzwirt (Zoll), Experte für Zoll-, Verbrauchsteuer- und Außenwirtschaftsrecht

Associate Partner

+49 711 7819 144 97

Anfrage senden

Profil

 Wir beraten Sie gern!

Um die Website zu personalisieren und Ihnen den größten Mehrwert zu bieten, verwenden wir Cookies. Unter anderem dienen sie der Analyse des Nutzerverhaltens, um herauszufinden wie wir die Website für Sie verbessern können. Durch Nutzung der Website stimmen Sie ihrem Einsatz zu. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Deutschland Weltweit Search Menu