Myanmar: Land der Gegensätze

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 zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2019 | Lesedauer ca. 3 Minuten


Noch denken Unternehmen bei ihren Investitions- und Expansionsstrategien nicht zwingend als erstes an das Land am Golf von Bengalen und der Andaman-See. Myanmar eilt der Ruf voraus, enormen Nachholbedarf zu haben, doch der Reformwille der Regierung und eine stetige Dynamik rücken das lang verschlossene Land in den Fokus ausländischer Investoren. Das Land verfügt über enormes Potenzial, das sich durch die wirtschaftliche Öffnung und Weiterentwicklung in den kommenden Jahren weiter entfalten wird.



ASEAN ist als Investitionsstandort in aller Munde - Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in Myanmar ein?

Myanmar gilt traditionell als Land, dessen Wirtschaftsleistung v.a. aus dem Primärsektor (Agrarwirtschaft und Rohstoffe wie Öl, Gas, Edelsteine, seltene Erden und Tropenholz) generiert wird. Bis zur Öffnung des Landes wurden ausländische Investitionen und die Förderung des Sekundär- und Tertiären Sektors fast vollständig unterbunden. So wundert es nicht, dass seit der Öffnung 2011 der Nachholbedarf im Bereich der Infrastruktur­investitionen nach wie vor groß ist. Die Regierung hat besonders in den letzten zwei Jahren viele wichtige Reformen umgesetzt, um die rechtlichen Voraussetzungen sowie die Verwaltung investitionsfreundlicher zu gestalten. Die Öffnung diverser Bereiche wie bspw. Handel, Versicherungsmarkt und des Bankensektors sowie die Einführung eines neuen Gesellschaftsrechts und die andauernde Modernisierung des Steuerrechts werden sich mittel- und langfristig sehr positiv auswirken.

Während Investitionen aus westlichen Ländern auf Grund der politischen Lage seit 2017 stagnieren bzw. sogar leicht rückläufig waren, ist das Wirtschaftswachstum insbesondere Dank steigenden Investitionen aus anderen asiatischen Ländern über die Jahre weitgehend stabil zwischen 6 und 8 Prozent geblieben, aber damit noch weit hinter dem eigentlichen Potenzial.


Werfen wir einen Blick auf die Chancen – Welche Branchen profitieren aktuell und welche Trends zeichnen sich bereits für die kommenden Jahre ab?

Während in den letzten Jahren Telekommunikations- und Textilunternehmen beeindruckende Wachstumsraten erzielen konnten, zeichnet sich durch die Öffnung des Versicherungsmarktes Anfang 2019 und des Bildungs­sektors sowie durch die Vergabe von Handelslizenzen an ausländische Unternehmen eine positive Entwicklung auch in diesen Branchen ab. Die Stufenweise Öffnung des Finanzsektors sowie diverse große Infrastruktur­projekte werden in den kommenden Jahren für weiteren Wachstum sorgen und den Standort Myanmar sukzessive auch in anderen Bereichen interessanter machen.

Durch die geplanten Infrastrukturprojekte ergeben sich weitere Chancen im Hoch- und Tiefbau sowie dem gesamten Bausektor, der Chemiebranche und im Bereich von Maschinenbau, wenngleich der Import deutscher Maschinen auf einem vergleichsweise geringem Niveau liegt. Der rapide wachsende Energieverbrauch erzeugt eine immense Nachfrage, die mit den gegenwärtigen Bemühungen allein nicht zu decken ist – auch wenn unter der gegenwärtigen Regierung ein Drittel an weiteren Kapazitäten erzeugt wurde. Auf Grund der Nicht-Existenz eines umfassenden Stromnetzes in weiten Teilen des Landes, ist Myanmar prädestiniert für eine dezentrale Stromerzeugung mit entsprechender Anbindung der größeren Städte.

Die Erhöhung der Strompreise in diesem Jahr verringert zum einen erheblich die notwendigen Subventionen von Regierungsseiten und entlastet somit das Budget, eröffnet aber andererseits auch neue Investitions­möglichkeiten. Eine Liberalisierung des Strommarktes sowie ein Einspeisegesetz sind allerdings noch notwendige Schritte die bisher noch nicht angegangen wurden.

Der Tourismussektor birgt in einem Land von fast der doppelten Größe Deutschlands und mit weitgehend unerschlossenen Gebieten noch ein enormes Potenzial, das bisher aber vorwiegend von Touristen anderer asiatischer Länder genutzt wird. Weitere Visaerleichterungen sind ein erster Schritt um mehr Touristen anzulocken. Mit gezielten Imagekampagnen und dem weiteren Ausbau der Infrastruktur könnte Myanmar als Reiseland deutlich an Attraktivität gewinnen.


Wie entwickeln sich die Aussichten für deutsche Unternehmen vor dem Hintergrund der bereits abgeschlossenen bzw. zur Zeit in Verhandlung stehenden bi- und multilateralen Freihandelsabkommen?

Deutsche Unternehmen, die bereits einen Unternehmenssitz in einem anderen Land Südostasiens haben, können durch die weitere regionale Integration im ASEAN-Verbund durch die bestehenden Abkommen profitieren.


Das Thema Datenschutz ist in Europa sehr hoch aufgehängt – Wo steht Myanmar im Hinblick auf die Implementierung und Umsetzung der GDPR?

Obwohl Myanmar sehr intensiv die Digitalisierung der Verwaltung und der Steuerbehörden vorantreibt, ist der Datenschutz – verglichen mit den Bemühungen der EU und Deutschlands, noch nicht in den Fokus der burmesischen Regierung gerückt.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Myanmar weiterentwickeln? Können Sie uns einen kurzen Ausblick auf das Jahr 2020 geben?

Es ist davon auszugehen, dass die Regierung in der ersten Hälfte des Jahres noch versuchen wird weitere Reformen durchzusetzen. Mit der Sonderwirtschaftszone Thilawa in der Nähe von Yangon hat die Regierung das Werben um ausländische Unternehmen sehr erfolgreich gestaltet. Thilawa gilt als Paradebeispiel für ausländische Investitionen – auch umfangreicher und namhafter Investitionen aus Deutschland und Europa. Die zweite Jahreshälfte wird dann im Zeichen der Wahlen (voraussichtlich im November 2020) und der geplanten Verfassungsreform stehen.


Fazit

Myanmar bleibt ein spannender Markt – den enormen Zukunftschancen stehen nicht wenige, aber lösbare, Hürden gegenüber die nach und nach angegangen werden. Für deutsche Unternehmen bieten sich derzeit die besten Möglichkeiten im Bildungs-, Finanz- und Versicherungssektor, dem Baugewerbe und der Chemie­industrie sowie dem Tourismus und allen angrenzenden Dienstleistungen – dem am stärksten wachsenden Zweig der burmesischen Wirtschaft. Die Modernisierung des Landes wird insg. noch einige Jahre in Anspruch nehmen, aber mit etlichen Möglichkeiten zum „Leapfrogging” sich teilweise auch in einer beeindruckenden Geschwindigkeit wie sie nur in Asien zu beobachten ist, vollziehen.

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