Private Kfz-Nutzung: Sonderregelungen für Elektrofahrzeuge sollen Elektromobilität fördern

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  • Elektromobilität ist auf dem Vormarsch: Die Bundesregierung plant bis zum Jahr 2020 1 Mio. Elektroautos auf Deutschlands Straßen.
  • Ein Fördergesetz, das Vorteile für Elektroautos gewähren soll, ist in Vorbereitung.
  • Sonderregelungen für die Besteuerung der privaten Nutzung eines Elektro-Firmenwagens existieren bereits.
Von Melanie Erhard
 
Der Preis: zu teuer. Die Reichweite: zu gering. Die Ladeinfrastruktur: ungenügend. Doch teilweise sind es nur Vorurteile, die den umweltfreundlichen Elektroautos anhaften.
 
Die Zukunftstechnologie Elektromobilität ist auf dem Vormarsch. Der US-amerikanische Autobauer Tesla zeigt schon seit vielen Jahren, dass Elektroautos Spaß machen. Das weltweite Angebot an Elektrofahrzeugen wächst stetig. Französische und japanische Fabrikate sind hier ganz vorne dabei. Bis Ende 2014 sollen allein die deutschen Automobilhersteller 16 verschiedene Modelle auf den Markt gebracht haben.
 
Ein schöner Gedanke, sich im Angesicht steigender Treibstoffpreise und begrenzter Erdölbestände mit Strom fortzubewegen – vollkommen ohne CO2-Emission. Das funktioniert, wenn Sie Ihr Elektroauto mit Ökostrom laden, bei dessen Erzeugung kein CO2 entstanden ist. Also mit Strom aus Windkraft, Sonnenenergie, nachwachsenden Rohstoffen oder anderen Energieträgern, die uns praktisch unerschöpflich zur Verfügung stehen.
 
Die Bundesregierung will nun der umweltschonenden Technologie zum Durchbruch verhelfen. Selbstgestecktes Ziel ist es, bis 2020 1 Mio. Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen. 
 
Geplant ist ein Fördergesetz, das Elektroautos Privilegien einräumen soll. Den Kommunen steht es dann offen, Parkplätze nur für Elektroautos auszuweisen und die Benutzung von Busspuren zuzulassen. In weiteren Schritten soll neben dem Aufbau eines bundesweiten Ladestationen-Netzes auch eine Beschaffungsinitiative von Bund, Ländern und Kommunen festgeschrieben werden. Hier will der Bund mit gutem Beispiel vorangehen und im eigenen Fuhrpark Elektrofahrzeuge integrieren.
 
Des Weiteren sind Anreize für Hersteller und Käufer geplant. Forschungsförderungen für Brennstoffzellen und Batterien sowie zinsgünstige Kredite zur Anschaffung besonders umweltfreundlicher Fahrzeuge sollen den „Markt aktivieren” und der Energiewende auf die Sprünge helfen.
 
Parallel zur Vorteilsgewährung wurde der Ausgleich steuerlicher Nachteile bei der privaten Kfz-Nutzung geregelt, die Elektroautos im betrieblichen Bereich mit sich bringen.
 
  

Nachteilsausgleich bei der Besteuerung des Firmenwagens

Eigentlich würden Dienstwagenflotten ein wichtiges Marktsegment für Elektroautos darstellen. Jedoch war der Kauf solcher Fahrzeuge für den betrieblichen Bereich bislang aus steuerlicher Sicht eher unattraktiv, da die Besteuerung der privaten Kfz-Nutzung im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor höher ausfiel.
 
Bei Anschaffung von (Hybrid-)Elektrofahrzeugen muss derzeit noch tiefer in die Tasche gegriffen werden. Der Mehrpreis ist insbesondere auf die teure Batterie zurückzuführen. Für Firmenwagenbesitzer steigt mit einem höheren Bruttolistenpreis der zu versteuernde geldwerte Vorteil für die Privatnutzung des Fahrzeugs, so dass ein Firmenwagen mit Elektromotor mehr Steuern kostete als ein vergleichbares Fahrzeug mit herkömmlichem Verbrennungsmotor – wohl einer der Gründe, weshalb man sich im betrieblichen Bereich bislang nicht so gerne für die umweltschonende Alternative entschied.
 
Um diese Nachteile der Zukunftstechnologie auszugleichen, hat der Gesetzgeber mit dem AmtshilfeRLUmsG vom 26. Juni 2013 steuerliche Sonderregelungen für betriebliche (Hybrid-)Elektrofahrzeuge ins Leben gerufen. Der Wettbewerbsnachteil der teureren Fahrzeuge soll kompensiert werden, indem die Kosten für das Batteriesystem pauschal aus der steuerlichen Bemessungsgrundlage für die Berechnung der privaten Nutzung eliminiert werden können. So soll in diesem Bereich eine steuerliche Gleichstellung mit herkömmlichen Fahrzeugen erzielt werden.
 
Das BMF hat sich nun ausführlich zu dieser Neuregelung geäußert, Detailfragen beantwortet und dem Rechtsanwender Beispielberechnungen an die Hand gegeben.
 

Welche Fahrzeuge sind begünstigt?

Von der Regelung werden solche Elektrofahrzeuge erfasst, die ausschließlich durch einen Elektromotor angetrieben werden, der ganz oder überwiegend aus mechanischen oder elektrochemischen Energiespeichern oder aus emissionsfrei betriebenen Energiewandlern (z.B. wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen) gespeist wird. In der Zulassungsbescheinigung steht dabei in Feld 10 die Codierung „0004” oder „0015”.
 
Hybridelektrofahrzeuge im Sinne der Vorschrift beziehen ihre Energie aus Betriebskraftstoff (herkömmlicher Verbrennungsmotor) oder aus einer Speichereinrichtung für elektrische Energie (z.B. Batterie, Kondensator). Außerdem müssen sie extern aufladbar sein („Plug-in-Hybrid”). Feld 10 der Zulassungsbescheinigung weist in diesem Fall die Codierung „0004” bis „0019” oder „0025” bis „ 0031” aus.
 

Sonderregelungen bei Anwendung der 1-Prozent-Regelung

Hier setzt der Nachteilsausgleich beim inländischen Bruttolistenpreis (BLP) im Zeitpunkt der Erstzulassung an. Dieser ist Bemessungsgrundlage für die pauschale Ermittlung der privaten Kfz-Nutzung beim Unternehmer (als Entnahme) und beim Angestellten (als geldwerter Vorteil), aber auch für die Bewertung von Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte und Familienheimfahrten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung wird der BLP herangezogen.
 
Der BLP darf bei (Hybrid-)Elektrofahrzeugen nunmehr pauschal um die Kosten des Batteriesystems gekürzt werden. Die Höhe des Abschlags richtet sich nach dem Energieinhalt der Batterie (Batteriekapazität) in kWh (Feld 22 der Zulassungsbescheinigung) und dem Jahr der Erstzulassung des Fahrzeugs.
 
Beispielsweise reduziert sich der BLP bei einem 2014 zugelassenen (Hybrid-)Elektrofahrzeug um 450 Euro pro kWh der Batteriekapazität, maximal um 9.500 Euro. Minderungsbetrag pro kWh und maximaler Minderungsbetrag werden bis 2023 sukzessive abgeschmolzen. Der Gesetzgeber geht anscheinend davon aus, dass dann kein Unterschied mehr in der Höhe der Anschaffungskosten der Fahrzeuge besteht.
 

Beispiel 1

Anschaffung eines Elektrofahrzeugs im Jahr 2014
BLP 50.000 Euro, Batteriekapazität 18,3 kWh, betrieblicher Nutzungsumfang 60%
 
Bruttolistenpreis ​ 50.000 Euro​
Abschlag für das Batteriesystem:
(18,3 kWh x 450 Euro/kWh)​
 
./. 8.235 Euro​
41.765 Euro​
abgerundet ​ 41.700 Euro​
1%-Vorteil für die private Nutzung, pro Monat ​ 417 Euro
 
  
Wurde die Batterie nicht zusammen mit dem Kfz angeschafft, sondern wird für deren Überlassung ein zusätzliches Entgelt bezahlt, scheidet die oben beschriebene Kürzung aus. Die Kosten für die Überlassung der Batterie sind in voller Höhe als Betriebsausgaben abziehbar.
 
Bemerkenswert ist das Wahlrecht, das das BMF in folgendem Fall gewährt: Kann ein Fahrzeug mit oder ohne Batteriesystem angeschafft werden, steht es dem Steuerpflichtigen frei, ob er bei der Ermittlung des privaten Nutzungsvorteils für sein (Hybrid-)Elektrofahrzeug
  • den BLP für das Fahrzeug ohne Batteriesystem (und damit ohne Kürzung) ansetzt oder
  • vom BLP des Fahrzeugs mit Batteriesystem die oben beschriebene pauschale Kürzung vornimmt.
 

Beispiel 2

Wie Beispiel 1, jedoch wird das Fahrzeug auch ohne Batteriesystem angeboten. Dieses kann separat erworben oder gemietet werden. Der BLP beträgt in diesem Fall (Fahrzeug ohne Batteriesystem) 39.800 Euro.

Der Nutzer des Firmenwagens sollte als Bemessungsgrundlage für die private Nutzung des Elektroautos den BLP ohne Batteriesystem wählen. Der monatliche geldwerte Vorteil nach der 1-Prozent-Regelung beträgt sodann 398 Euro (statt 417 Euro, wie in Beispiel 1).

Der pauschal ermittelte Vorteil der privaten Nutzung des Firmenwagens kann höher sein als die tatsächlichen Gesamtaufwendungen für das Fahrzeug. Für diesen Fall greift die sog. Kostendeckelung: Der Wert der steuerpflichtigen privaten Nutzung darf auf den Betrag der tatsächlichen Kosten begrenzt werden. Ist bei dieser Vergleichsrechnung eine Abschreibung auf das Fahrzeug anzusetzen, muss die AfA-Bemessungsgrundlage um die pauschalen Kosten für das Batteriesystem gekürzt werden. Falls die Batterie gesondert angeschafft wurde, ist das hierfür entrichtete Entgelt von den Gesamtaufwendungen des Fahrzeugs abzuziehen.
 

Sonderregelungen bei Anwendung der Fahrtenbuchmethode

Bei Ermittlung des privaten steuerrelevanten Nutzungsanteils des Fahrzeugs anhand eines Fahrtenbuchs gelten die tatsächlichen Gesamtaufwendungen für das Fahrzeug als Bemessungsgrundlage für die Besteuerung. In diesem Fall sind die pauschalen Kosten für das Batteriesystem von der Bemessungsgrundlage für die in die Gesamtkosten einfließende Abschreibung des Fahrzeugs abzuziehen. Wird das Batteriesystem separat gemietet oder geleast, darf das hierfür gezahlte Entgelt nicht in die Berechnung der Gesamtkosten eingehen.
Beziehen sich die Leasingzahlungen auf das gesamte Fahrzeug inkl. Batteriesystem, muss die Leasingrate aufgeteilt werden. Der Teil, der auf die Batterie entfällt, mindert die Gesamtkosten. Als Aufteilungsmaßstab darf das Verhältnis zwischen dem Listenpreis einschließlich Batteriesystem und dem Listenpreis abzüglich der o.g. pauschalen Abschläge für das Batteriesystem herangezogen werden.
 

Beispiel 3

Ein Elektrofahrzeug wird am 1. Januar 2014 neu angeschafft, die jährlichen Leasingkosten betragen 4.800 Euro. Batteriekapazität 18,3 kWh, pauschaler Abschlag damit 8.235 Euro. Der BLP des Fahrzeugs beträgt 50.000 Euro. 
 
Die Leasinggebühren gehen mit folgendem Wert in die Berechnung der Gesamtkosten ein:
 
BLP inkl. Batterie​ 50.000 Euro
BLP nach pauschalem Abschlag (ohne Batterie)​ 41.765 Euro​
anteiliger BLP für das Auto ohne Batterie​ 83,5%​
Ansatz der Leasinggebühren somit:
(83,5% von 4.800 Euro)
 
4.008 Euro​
 

 
Ausblick

Interessant für die Praxis ist das Wahlrecht, bei gesondert geleastem Batteriesystem alternativ den höheren Listenpreis (für Fahrzeug inklusive Batterie) mit pauschalem Abschlag für das Batteriesystem ansetzen zu dürfen. Wird das Fahrzeug mit und ohne Batteriesystem angeboten, sollten entsprechende Vergleichsrechnungen angestellt werden.
 
Leider hat die Finanzverwaltung nur die lohn- bzw. ertragsteuerliche Bemessungsgrundlage und deren Korrektur geregelt. Bei der Ermittlung der Umsatzsteuer aus der privaten Nutzung des begünstigten Firmenwagens wird der Nachteilsausgleich nicht angewandt. Die umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage bleibt damit unverändert hoch. Auch ist unklar, ob die vom Arbeitgeber separat übernommenen Kosten für die Batterie die umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage für die private Nutzung des Fahrzeugs erhöhen.
 
Es gilt abzuwarten, ob von den neuen und geplanten Regelungen des Gesetzgebers ausreichende Impulse ausgehen, Elektrofahrzeuge in den privaten Alltag zu integrieren und Unternehmer zu ermutigen, einen umweltfreundlicheren Fahrzeugmix im betrieblichen Fuhrpark zu überdenken. Wünschenswert wäre es.
  
 
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zuletzt aktualisiert am 18.07.2014
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