Der Weg in die Hightech-Ökonomie – Wie mehr Vernetzung unsere Gesellschaft verändert

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 Prof. Dr. Volker Brühl

Prof. Dr. Volker Brühl ist seit Oktober 2013 Geschäftsführer des „Center for Financial Studies” an der Goethe Universität in Frankfurt am Main. Er hat zudem eine Professur für „Banking and Finance” an der Hochschule für Ökonomie und Management inne. Zuvor war er viele Jahre in Führungspositionen inter­nationaler Banken und Beratungs­gesellschaften tätig.
 
Prof. Dr. Volker Brühl ist Ver­fasser des Buchs „Wirtschaft des 21. Jahrhunderts: Heraus­forderungen in der Hightech-Ökonomie”, das im Jahr 2015 im Verlag Springer Fachmedien erschienen ist. Auf 228 Seiten befasst er sich mit den Themen Digitalisierung, Industrie 4.0 sowie weiteren dynamischen Entwicklungen einer vernetzten Gesellschaft und Wirtschaft.

Unsere Wirtschaft steht am Beginn revolutionärer Veränderungen, deren Ausmaß wir heute nur erahnen können. Durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung von Menschen, Maschinen und Gegenständen des Alltags erwächst eine Hightech-Ökonomie, in der Branchengrenzen verschwimmen und völlig neue Geschäftsfelder in zahlreichen Sektoren entstehen. Das betrifft u.a. die industrielle Fertigung in der „Smart Factory”, in der physikalische und virtuelle Prozesse verschmelzen. Mithilfe der künstlichen Intelligenz finden Produkte künftig selbst ihren Weg durch die Fertigungsstraßen und sorgen für ihre eigene Wartung. Künstliche Intelligenz spielt zudem im vernetzten Zuhause („Smart Home”), der Medizin („Smart Health”), der Energieversorgung („Smart Grids”) oder bei der Gestaltung neuer umweltschonender Mobilitätskonzepte („Smart Traffic”) eine große Rolle – diese Liste kann beliebig erweitert werden.

 

Schon jetzt ist klar, dass man künftig mit einer höheren Volatilität und kürzeren Produktzyklen rechnen muss. Daher wird die Innovations­fähigkeit sowohl für das einzelne Unternehmen als auch für die Volkswirtschaft insgesamt ein entscheidender Erfolgsfaktor sein. In einer Welt erhöhter Veränderungsgeschwindigkeit müssen sich Unternehmen rasch anpassen und von Zeit zu Zeit neu erfinden. Das bedeutet auch, dass sie sich in ihrer Wertschöpfungsstruktur möglichst flexibel aufstellen müssen. Zudem wird sich unsere Arbeitswelt deutlich verändern: Arbeitnehmer müssen sich darauf einstellen, häufiger den Arbeitgeber zu wechseln und auch mehrere Berufe in einem Berufsleben ausüben zu müssen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften mit geringer Qualifikation wird v.a. in produktionsnahen Bereichen deutlich abnehmen. Auf der anderen Seite haben wir schon heute einen Fachkräftemangel in vielen Branchen. Hier kommt eine große gesellschaftspolitische Aufgabe auf unser Bildungssystem zu.
 

Die deutsche Wirtschaft hat im Bereich Industrie 4.0 tolle Voraus­setzungen. Gerade unser Mittelstand ist führend im Maschinenbau, der Automatisierung oder der Mechatronik. Nachholbedarf gibt es hingegen bei der Verknüpfung unserer traditionellen Stärken mit modernen Internettechnologien. Hier müssen wir aufpassen, dass wir an der Spitze der technologischen Entwicklung bleiben. In anderen Bereichen, etwa „Social Media”, ist die Dominanz der amerikanischen Anbieter zu groß. Gerade dort greifen Netzwerkeffekte, d.h. je mehr Mitglieder ein Netzwerk hat, umso geringer ist die Neigung des Einzelnen, es zu verlassen. Das macht es für neue Anbieter sehr schwer.
 

Auch wird sich die Rolle des Managements in der Hightech-Ökonomie verändern. Wie das aussehen kann, erkennt man heute schon bei erfolgreichen Internetkonzernen wie Google oder Facebook. Das Top-Management versteht sich explizit als Katalysator von Veränderungs­prozessen. Strategien werden nicht mehr „top down” vorgegeben und von nachgelagerten Hierarchiestufen umgesetzt. Die in den Köpfen der Mitarbeiter sitzende Intelligenz eines Unternehmens kann nur dann effektiv mobilisiert werden, wenn ein echter Diskurs über orga­ni­sa­torische Ebenen hinweg geführt wird. Genau das machen Google und Facebook, indem sie zunehmend Hierarchien durch Cluster ersetzen.

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