Recycling: Aspekt der Nachhaltigkeit

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veröffentlicht am 10. April 2018
 
Im Jahr 1713 veröffentlichte Hans Carl von Carlowitz (*1645, † 1714) das Werk „Sylvicultura oeconomica” und beschrieb darin seine Überlegungen zur Nachhaltigkeit. Angesichts der zu seiner Zeit drohenden Holzknappheit  –  und Holz war damals einer der wichtigsten Rohstoffe  –  kam er zu der Erkenntnis, dass grundsätzlich nur so viel Holz in einem Wald gefällt werden sollte, wie durch natürliches Wachstum reproduziert werden kann. Er legte den Grundstein für einen seither währenden Diskurs; denn bei der Definition zur „Nachhaltigkeit” sind sich Experten bis heute nicht ganz einig. Im Kern beschreiben sie jedoch alle ein ökologisches, wirtschaftliches und soziales Handlungsprinzip, das darauf abzielt, die Lebensbedingungen der Gegenwart zu sichern und zu verbessern, ohne künftigen Generationen die Lebensgrundlage zu entziehen.

 

Nachhaltigkeit umfasst u.a. den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Das ist in unserer „Konsumgesellschaft” von besonderer Bedeutung. Denn mit und nach dem Kauf entstehen Abfälle und die müssen unter Einsatz von Energie aufwändig entsorgt werden. Doch Müll ist nicht gleich Müll und vieles findet dank moderner Verwertungsprozesse wieder seinen Weg zu uns  – sei es im alten oder in einem ganz neuen Gewand. Das Stichwort hier ist „Recycling”.

 

Recycling

Egal ob beruflich oder privat  –  in unseren Mülltonnen landen diverse Materialien in großen Mengen: Von Verpackungen über Biomüll bis hin zu Elektrogeräten oder Batterien gibt es kaum etwas, das nicht in unserem Abfall zu finden ist. Um Ressourcen sowie unsere Umwelt zu schonen, wird vieles recycelt. 
 
„Recycling” bezeichnet grundsätzlich die Wiederverwertung von Abfällen und damit die Rückführung von noch verwertbaren Rohstoffen in den Wirtschaftskreislauf. Ziel ist es, die Abfallmenge zu minimieren und zugleich den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Die wichtigsten Recyclingstoffe sind u.a. Kunststoffe, Gas, Papier, Pappe und Eisen.
 
Übrigens: In vielen Recyclingkreisläufen sinkt mit jeder Verarbeitungsstufe und jedem Wieder­verwertungs­zyklus das Wertniveau des Recyclats (z.B. Papierfasern werden kürzer, Kunststoffmoleküle brüchig). Der Recyclingprozess mit Qualitätsverlust wird als „Downcycling” bezeichnet.  

 

Upcycling 

Klassisches Recycling hat mit dem Upcycling eine Unterform gefunden, die sich in der „Do it yourself”-Szene großer Beliebtheit erfreut. Alte Materialien bekommen eine neue Funktion  –  sie werden nicht entsorgt, sondern weiterverarbeitet. Das neu entstandene Recyclat wurde im Vergleich zum ursprünglichen Produkt qualitativ aufgewertet.
  • Der Trend ist besonders in der Textilindustrie präsent: Plastikflaschen werden zu Taschen weiterverwertet oder Feuerwehrschläuche, Lastwagenhüllen und Militärtextilien zu modischen Accessoires bzw. Kleidungsstücken umfunktioniert.
  • Auch in der Möbelindustrie gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung: Alte Weinkisten, Europaletten und Schiffsplanken werden umgearbeitet und finden eine neue Gestalt in  –  mitunter sehr hochwertigen  –  Möbelstücken.

 

Mit Konsum entsteht Abfall: Zahlen und Fakten

  • In der EU landen jährlich laut zuständigem Statistikamt ca. 3 Mrd. Tonnen hochwertiger Stoffe in Müllanlagen.
  • Der Versandhandel boomt  –  das hat enorme Auswirkungen auf unsere Müllproduktion: Die Papierverpackungen im Versand haben von 1996 bis 2015 um 540 Prozent zugenommen. Sie machen damit einen großen Teil der rund 18 Mio. Tonnen Verpackungsabfälle aus, die in Deutschland jährlich entstehen (Stand: 2015).
  • Allein im Jahr 2016 wurden in Deutschland 248 Kilogramm Pappe, Papier und Karton pro Einwohner verbraucht. Das entspricht einem Gesamtverbrauch von 20,5 Mio. Tonnen. Die Altpapierrücklaufquote lag bei ca. 75 Prozent.
  • Die Deutschen produzieren deutlich mehr Müll als die meisten anderen Länder: 12 Kilogramm pro Woche und Kopf; insgesamt 45 Mio. Kilogramm im Jahr.
  • Gleichzeitig gilt Deutschland – nach Angaben der Europäischen Umweltagentur  –  als Recycling-Europameister: 2/3 des deutschen Hausmülls werden wiederverwertet. Und das, obwohl 49 Prozent der deutschen Bevölkerung nicht genau darauf achten, welche Abfälle in welche Tonne entsorgt werden müssen.
     

    Kunststoffabfälle: Gefahr für unsere Meere

    Seit Einführung der Gebühr auf Plastiktüten hat sich der pro Kopf-Verbrauch in Deutschland von 68 auf 45 Plastiktüten im Jahr 2015 reduziert. Eine Tüte ist durchschnittlich 25 Minuten im Gebrauch  –  wenn sie nicht recycelt wird, dauert es zwischen 100 bis 500 Jahre, bis sie sich natürlich zersetzt hat.
     
    Für unsere Meeresumwelt ist Plastikmüll eine der größten Bedrohungen. In der Nordsee treiben mittlerweile durchschnittlich 18.000 Plastikmüllpartikel auf jedem Quadratkilometer der Meeresoberfläche. Zahlreiche Tiere sterben durch die hohe Müllbelastung: Bei rund 60 Prozent der toten Eissturmvögel an den Küsten der Nordsee befindet sich mehr als 0,1 Gramm Plastik im Magen.
      

    Glas: Optimal recycelbar

    Glas kann unendlich oft eingeschmolzen und so wieder zu neuen Produkten verarbeitet werden. In Deutschland wurde für altes Behälterglas bereits 1974 ein flächendeckendes Sammelsystem eingerichtet.   
     
    Bundesweit gibt es über 250.000 Altglasscontainer für Weiß-, Braun- und Grünglas. 

     

    Quellen: Gabler Wirtschaftslexikon; Lexikon der Nachhaltigkeit; Umweltbundesamt Online; BR Online; Süddeutsche Online, Zeit Online, FAZ Online.

       

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