Firmenwagen: Steuern sparen mit der 0,002 Prozent-Regelung

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​zuletzt aktualisiert am 22. August 2019 | Lesedauer ca. 4 Minuten

von Melanie Erhard
  

Darf ein Mitarbeiter seinen Dienstwagen auch für private Fahrten nutzen, so gilt der aus der Fahrzeugüberlassung resultierende Vorteil als Arbeitslohn. Entsprechend wird die Zuwendung der kostenlosen Überlassung eines Dienstwagens für Privatfahrten dem Lohnsteuer- und Sozialversicherungsabzug unterworfen.
 

 
In vielen Fällen wird zur Berechnung des sog. geldwerten Vorteils die 1 Prozent-Methode angewandt: 
  • Der Vorteil aus der Nutzungsüberlassung für Privatfahrten wird hier monatlich pauschal mit 1 Prozent des Bruttolistenpreises (zzgl. Sonderausstattung) des überlassenen Fahrzeugs bewertet.
  • Verwendet der Arbeitnehmer das Fahrzeug auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, so sind hierfür pauschal zusätzliche 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises (zzgl. Sonderausstattung) pro Monat und Entfernungskilometer zu versteuern.
     
Bei der Berechnung des geldwerten Vorteils der privaten Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte geht man bei der 0,03 Prozent-Regelung pauschal von 15 Tagen pro Monat (bzw. 180 Tagen pro Kalenderjahr) aus, an denen der Mitarbeiter seinen Dienstwagen für Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte nutzt. Ungerecht ist das für all diejenigen, die die erste Tätigkeitsstätte an weniger als 15 Tagen im Monat aufsuchen. Der Bundesfinanzhof hatte besagte Pauschalierung in mehreren Urteilen kritisiert. Es komme darauf an, wie oft der Steuerpflichtige den Dienstwagen tatsächlich für Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte nutze Bei weniger als 15 Fahrten pro Monat sei der geldwerte Vorteil der einzelnen Fahrt mit 0,002 Prozent des Bruttolistenpreises (zzgl. Sonderausstattung) pro Entfernungskilometer anzusetzen (0,002 % x 15 Tage = 0,03 %). 
 
Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat in seinem aktuellen Schreiben zur lohnsteuerlichen Behandlung der Überlassung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs an Arbeitnehmer vom 4. April 2018 sich dieser Ansicht angeschlossen.
 

Hintergrund

Natürlich ist der pauschale Ansatz nach der 0,03 Prozent-Regelung das Einfachste. In vielen Fällen mag die Versteuerung der Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte auch zutreffend sein. Jedoch entspricht es bei vielen Arbeitnehmern nicht der Realität, wenn man in der Lohnabrechnung pauschal davon ausgeht, dass sie an mindestens 15 Tagen im Monat zu ihrer ersten Tätigkeitsstätte fahren – und der aus dieser Annahme resultierende geldwerte Vorteil Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge nach sich zieht.
 
Es ist deshalb sehr zu begrüßen, dass die Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte auch auf Basis einer Einzelbewertung der tatsächlich durchgeführten Fahrten mit der 0,002 Prozent-Methode ermittelt werden dürfen. 
 
Von dieser Regelung profitieren alle, die den Weg zur ersten Tätigkeitsstätte mit ihrem Dienstwagen an weniger als 15 Tagen pro Monat zurücklegen, typischerweise Servicetechniker, Außendienstmitarbeiter, Mitarbeiter im Vertrieb oder auch solche Angestellte, die oft im Home-Office arbeiten.
 

Ein Beispiel soll das Sparpotenzial verdeutlichen

Der Bruttolistenpreis (zzgl. Sonderausstattung) des Firmenwagens beträgt 50.000 EUR. Der Firmenwagen wird nach der 1 Prozent-Methode versteuert. Die Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte beträgt 40 km, welche der Mitarbeiter an 8 Tagen im Monat zurücklegt. Den Rest des Monats arbeitet er von zu Hause aus oder ist auf Auswärtsterminen unterwegs.
 
Geldwerter Vorteil pro Jahr bei Anwendung der 0,03 Prozent-Regelung:
 
50.000 EUR x 1 % x 12 Monate = 6.000 EUR
50.000 EUR x 0,03 % x 40 km x 12 Monate = 7.200 EUR
 
Gesamt p.a.: 13.200 EUR

Geldwerter Vorteil bei Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten mit der 0,002 Prozent-Methode:
 
50.000 EUR x 1 % x 12 Monate = 6.000 EUR
50.000 EUR x 0,002 % x 40 km x 8 Fahrten x 12 Monate = 3.840 EUR
 
Gesamt p.a.: 9.840 EUR
 
Durch Einzelbewertung der Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte sinkt der vom Mitarbeiter zu versteuernde geldwerte Vorteil damit um 3.360 EUR p.a.
   

Voraussetzungen für den Wechsel zur Einzelbewertung

An die Einzelbewertung der Fahrten mit 0,002 Prozent des Bruttolistenpreises (zzgl. Sonderausstattung) pro Entfernungskilometer werden folgende Voraussetzungen geknüpft:
 
Die Einzelbewertung muss mit dem Arbeitgeber für jedes Kalenderjahr festgelegt werden. Der Wechsel zwischen den Berechnungsmethoden ist während des Jahres nicht zulässig. 
 
Der Mitarbeiter muss dem Arbeitgeber kalendermonatlich fahrzeugbezogen schriftlich erklären, an welchen Tagen (mit Datumsangabe) der Dienstwagen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt wurde. Die bloße Angabe der Anzahl der Tage reicht nicht aus. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, diese schriftlichen Erklärungen zu den Lohnunterlagen zu nehmen. Sofern der Mitarbeiter nicht erkennbar unrichtige Angaben gemacht hat, muss der Lohnsteuer nach diesen Erklärungen durchgeführt werden. Aus Vereinfachungsgründen ist es möglich, den Lohnsteuerabzug jeweils aufgrund der Erklärung des Vormonats durchzuführen, also die nachgewiesenen Einzelfahrten jeweils einen Monat zeitversetzt zu erfassen.
 
Die Anzahl der jährlichen Fahrten im Rahmen der Einzelbewertung ist auf insgesamt 180 Fahrten pro Kalenderjahr (entspricht 15 Tage x 12 Monate) zu beschränken, selbst dann, wenn der Mitarbeiter tatsächlich öfter zur ersten Tätigkeitsstätte gefahren ist. Die Beschränkung auf pauschal 15 Fahrten pro Monat ist nicht zulässig.
 
Auf diese Weise wird gewährleistet, dass der Mitarbeiter bei der Anwendung der Einzelbewertung nicht schlechter gestellt wird als durch die pauschale 0,03 Prozent-Methode.
 

2. Beispiel

Die monatlichen Erklärungen des Mitarbeiters über die monatlichen Einzelfahrten lauten:
 
Januar bis Juli: jeweils 13 Tage
August bis November: jeweils 19 Tage
Dezember: 18 Tage
 
Im Zeitraum Januar bis November hat der Mitarbeiter für Zwecke der Einzelbewertung bereits 167 Tage der 180 Tage ausgeschöpft. In der Lohnabrechnung Dezember sind deshalb lediglich 13 Tage statt der tatsächlich gefahrenen 18 Tage anzusetzen. Die restlichen 5 Tage bleiben außer Ansatz.
   

Tipp

Wurde der geldwerte Vorteil für Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte in der Lohnabrechnung nach der 0,03 Prozent-Regelung ermittelt, obwohl Sie in der Regel an weniger als 15 Tagen pro Monat mit Ihrem Dienstwagen zur ersten Tätigkeitsstätte fahren? 
 
Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer sind Sie nicht an die für die Erhebung der Lohnsteuer gewählte Methode gebunden. 
 
Sie können also auch noch im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung für das gesamte Kalenderjahr zur Einzelbewertung der Fahrten mit 0,002 Prozent des Bruttolistenpreises (zzgl. Sonderausstattung) pro Entfernungskilometer wechseln. Der zur Berechnung des Lohnsteuerabzugs angesetzte geldwerte Vorteil wird dann im Veranlagungsverfahren entsprechend korrigiert, so dass Sie von der Steuerersparnis profitieren können. 
 
Dazu legen Sie dem Finanzamt eine Liste der Tage (mit Datumsangabe) vor, an denen Sie mit dem Firmenwagen tatsächlich zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte gefahren sind. Durch Gehaltsabrechnungen oder eine explizite Bescheinigung des Arbeitgebers müssen Sie außerdem nachweisen, dass die Bewertung der Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte bislang durch Anwendung der pauschalierenden 0,03 Prozent-Regelung vorgenommen wurde. 
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