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Durchführung einer Unternehmensbewertung in Spanien: Eine einführende Übersicht

PrintMailRate-it

veröffentlicht am 16. Dezember 2020 | Lesedauer ca. 3 Minuten


In Spanien gibt es kaum formales Wissen darüber, wie Unter­nehmens­bewertungen in der Realität durch­geführt werden, insbesondere in Bezug auf die Fach­kräfte, die die Tätig­keit ausüben, die Art und Weise, wie sie das tun, sowie die Quantität und Qualität der Infor­mationen, mit denen sie umgehen. Das ist u.a. auch darauf zurück­zuführen, dass es praktisch keine speziellen Berufs­verbände gibt, in denen sich Sach­verständige zusammen­schließen könnten, für die diese Tätig­keit eine haupt­sächliche Erwerbs­­quelle bildet.


In Spanien gibt es zwei private Verbände, die von Bedeutung sind. Einer davon ist der Verband „Asociación Española de Análisis de Valor – EAV” (Spanischer Verband der Wertanalyse), der im Jahr 2012 gegründet wurde und Immobiliensachverständige in der Immobilienbranche vereint. Der Verband beschäftigt sich mit der Entwicklung des Berufs eines Immobiliensachverständigen und der Festlegung von Kriterien und Verfahren für seine 21 Mitglieder (Hauptgesellschaften), die zurzeit 90 Prozent der in Spanien abgewickelten Immo­bilienbe­wertungen durchführen.

Der andere wichtige private Berufsverband ist die „Asociación Española de Contabilidad y Administración de Empresas – AECA” (Vereinigung für Rechnungswesen und Betriebswirtschaft), die Bewertungssachverständige mit unterschiedlichem Ausbildungshintergrund zusammenbringt (sowohl mit beruflicher Fachausbildung als auch Akademiker). Der spanische Verband entwickelte im Februar 2020 die Zertifizierung „Experto Valorador Acreditado – EVA” (Zertifizierung von Bewertungssachverständigen), durch die eine fachliche Ausbildung seiner Mitglieder als Sachverständige formal anerkannt wird. Die „EVA”-Zertifizierung entspricht den internationalen Standards, wie den Standards des „International Valuation Standard Committee – IVSC”, sodass das Qualitäts- und Kompetenzniveau in der Bewertungsbranche so weit wie möglich angehoben wird. Das Fehlen formaler Qualifikationen ist aber kein Hindernis für einen Bewertungsexperten, in Spanien beauftragt zu werden, da bereits die Erfahrung eines Bewertungssachverständigen nach der herrschenden Ansicht eine wichtige Rolle spielt. Nichtsdestotrotz wird jede internationale Zertifizierung immer positiv gewertet.

Darüber hinaus ist unter den Zertifizierungen die private Zertifizierung „Certificado de Experto en Valoración de Empresas – CEVE” (Zertifizierter Sachverständiger für Unternehmensbewertung) zu nennen, die vom „Instituto Español de Analistas Financieros – IEAF” (Spanisches Institut für Finanzanalyse) erteilt wird. Sie richtet sich an Fachkräfte, die sich in Unternehmensbewertung und Asset Management spezialisieren wollen, bspw.


Wirtschaftsprüfer, Berater, Immobiliensachverständige, Analysten, Finanzplaner und „Family Offices”, die die Beurteilung zusätzlicher finanzieller Fragen in den Prozess der richtigen Investitionsentscheidung einbeziehen möchten. Die Zertifizierung erfordert zwei Jahre Erfahrung in der Durchführung von Bewertungen bzw. M&A-Projekten oder alternativ die Durchführung von mind. zehn Unternehmensbewertungen, bei denen der Bewertungsbericht vom Experten unterzeichnet wurde.


Technisch gesehen wird die Bewertungspraxis durch das in Spanien allgemein anerkannte theoretische Rahmenwerk geregelt, da es sich dabei um die am meisten akzeptierten Methoden bei der Durchführung einer Bewertung handelt, die auf der Diskontierung von Cashflows basieren.

Allgemein können Bewertungsaufträge in Spanien Folgendes zum Gegenstand haben:

  • Ermittlung des Werts von Unternehmen, Geschäftszweigen, Beteiligungspaketen und Schuldtiteln, die sich direkt oder indirekt auf mögliche Geschäfte zwischen Anteilseignern und Investoren beziehen;
  • Bewertungen für steuerliche und rechtliche Zwecke und Bewertungen, die durch die Anwendung von Rechnungslegungsvorschriften begründet sind.

Es gibt Unterschiede bei bestimmten Aspekten des Bewertungsprozesses. Da sich die Sachverständigen bei ihren Bewertungen nicht auf perfekte Marktkenntnisse stützen, treffen sie Ermessensentscheidungen, die auf

  • jahrelanger Erfahrung,
  • den Rahmenbedingungen für die Bewertung (natürliche Person vs. Unternehmen, national oder lokal vs. international) und
  • der Größe des Unternehmens (KMU vs. börsennotierte Unternehmen) basieren.

Es ist wichtig zu verstehen, welche Bedeutung der Größe des Unternehmens im Bewertungsprozess zukommt, denn in Spanien gibt es rund 2,9 Mio. Unternehmen, von denen nur 4.985 als Großunternehmen eingestuft werden können (mit mehr als 250 Mitarbeitern im Jahr 2019). In Europa sind ca. 97 Prozent der gegenwärtig tätigen Unternehmen KMU.

Allerdings kommt es hauptsächlich bei der Anwendung der Bewertungsmethoden zu den erwähnten Abweich­ungen, abhängig von der Sachkompetenz der Fachkräfte. Deutliche Unterschiede zeigen sich bei den in der Praxis angewandten Bewertungsmethoden und die Art des anzuwendenden Abzinsungssatzes ist eines der größten technischen Probleme, wenn bedacht wird, welche Auswirkung er auf den Wert des Unternehmens hat. Eine Angleichung ist nicht einfach, da der Ansatz bei der Bewertung fachübergreifend ist.


Fazit

Bewertungen werden von einem breiten Spektrum von Akteuren wie Wirtschaftsprüfern, Beratern, Bänkern oder sogar Ingenieuren durchgeführt, da es außer den eingangs genannten Verbänden AECA oder EAV im Immobilienbereich in Spanien keine Berufsverbände gibt. Es gibt gegenwärtig keine formale Qualifikation für die Durchführung solcher Tätigkeiten.

In jedem Fall sollten neben der formalen Qualifikation als Berater das Wissen und die Erfahrung des jeweiligen Bewertungssachverständigen überprüft werden.

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