Erfolgreich investieren in Nigeria

zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Nigeria?

Nigeria ist die größte Volkswirtschaft Afrikas. Das Land hat 198,2 Mio. Einwohner und erwirtschaftete 2018 ein Bruttoinlandsprodukt von 397,472 Mrd. US-Dollar. Die Wirtschaft Nigerias wuchs im letzten Quartal 2018 um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem sie in der Vor­periode um 1,8 Prozent gewachsen war und die Markt­erwar­tungen von 2,1 Prozent übertraf. Es war die höchste Wachstumsrate seit dem 3. Quartal 2015, da der Nicht-Öl-Sektor weiter anstieg und der Ölsektor weniger schrumpfte. Auf Quartalsbasis wuchs die Wirtschaft um 5,3 Prozent und lag damit unter dem Niveau des Vorquartals von 9,5 Prozent. Die jährliche Wachstumsrate des BIP in Nigeria lag von 1982 bis 2018 bei durchschnittlich 3,84 Prozent und erreichte im 4. Quartal 2004 mit 19,17 Prozent ein Allzeithoch und im 4. Quartal 1983 mit -7,81 Prozent ein Rekordtief.
 
Der globale Rückgang des Ölpreises in den letzten Jahren hat das Land gezwungen, die Diversifizierung der Wirtschaft zu beschleunigen. Mittlerweile gilt die Rezession als überwunden und für 2019 wird ein leichter Anstieg des Wirtschaftswachstums um rund 2,2 Prozent erwartet, vorausgesetzt, dass sich die Ölproduktion erholt. Eine langsame Verbesserung der privaten Nachfrage dämpft das Wachstum im Nicht-Öl-Industriesektor. Das ist v.a. auf den sich erholenden Ölpreis, aber auch auf die zunehmende Diversifizierung der nigerianischen Wirtschaft zurück­zuführen. Um den Trend weiter zu unterstützen, hat die Regierung Investitionen in andere Wirtschafts­bereiche wie Landwirtschaft, Energie und Immobilienmarkt verstärkt.
 

Im Allgemeinen hat die Wirtschaftspolitik der Regierung Buhari in den letzten Jahren ihr Profil und ihre Struktur verbessert. So will die Regierung bspw. verschiedene Maßnahmen zur weiteren Stabilisierung der Währung (Naira) ergreifen. Die Prognosen für die bevorstehenden nationalen Wahlen im Februar 2019 haben noch keinen eindeutigen Gewinner  ermittelt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass sie wieder friedlich und demokratisch verlaufen werden. Auch das Manifest der großen Oppositionspartei hat eine effektive Regierungs­führung auf der Grundlage ihrer skizzierten Projekte versprochen, die nach der Wahl an die Macht umgesetzt werden soll. Projekte wie
  • die Stärkung der Steuer- und Währungspolitik,
  • die Durchführung verschiedener Projekte in den Bereichen Energie,
  • Gesundheit,
  • Verkehrsinfrastruktur u.A.,
  • die Vertiefung von Partnerschaften zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor sowie
  • die Stärkung der Jugend und die Wiederbelebung der Region Niger-Delta sollen zeigen, dass Nigeria – unabhängig davon wer die Wahlen im Februar gewinnt – immer noch ein sehr gutes Land ist, in das man investieren kann.

 
Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen ist der Standortvorteil Nigerias nach wie vor enorm – allein schon aufgrund der Größe des Marktes – und das Land bleibt das wirtschaftliche „Nervenzentrum” des Kontinents.
 

Wie würden Sie das Investitionsklima in Nigeria beschreiben? Welche Branchen bieten das größte Potenzial?

Viele internationale Unternehmen sind bereits in Nigeria ansässig. Der Markt ist sehr dynamisch und täglich gründen in- und ausländische Unternehmen in fast allen Wirtschaftszweigen eine neue Niederlassung. Dementsprechend ist der Wettbewerb sehr hart, aber auch die Gewinn­möglichkeiten sind spannend. Aufgrund der aktuellen Bestrebungen der Regierung zur Diversifizierung der Wirtschaft haben Investitionen in den Bereichen Landwirtschaft, Energie, Immobilien und Konsumgüter derzeit ein besonders großes Potenzial.
 
Darüber hinaus sollte die Modernisierung der Infrastruktur die bestehenden Unternehmen stärken und auch ausländische Investitionen erleichtern.  
 
Dank der bereits eingeleiteten Reformen verbesserte Nigeria seine Position im Index „Ease of Doing Business” der Weltbank deutlich und stieg um 23 Plätze (von 169 im Jahr 2017 auf 146 im Jahr 2018).
 

Welchen Herausforderungen sehen sich deutsche Unternehmen bei ihren Geschäftsbeziehungen nach Nigeria gegenüber?

Beim Markteintritt in Nigeria muss sich ein deutscher Unternehmer mit Herausforderungen wie schwacher Infrastruktur, Wettbewerb mit etablierten und/oder billigeren Marken, volatiler Währung, Korruption und häufigen regulatorischen Änderungen durch die Regierung und andere branchenspezifische Institutionen auseinandersetzen. Der nicht ganz leicht zu navigierende regulatorische Rahmen für Investitionen schränkt jedoch nicht das Potenzial für einen hohen Return on Investment ein, das Nigeria definitiv hat.
 

Welche spezifischen Aspekte des nigerianischen Marktes gibt es?

Nigeria ist ein Land mit vielen verschiedenen Kulturen. Mit mehr als 250 ethnischen Gruppen verfügt das Land über ein einzigartiges Marktpotenzial und bietet Platz für nahezu jede Art von Unternehmen. Fast jedes gut geführte kann sich in Nigeria verkaufen, wenn es die passende Marktnische findet.  
 
Hervorzuheben ist zudem der recht beachtliche Geschäftssinn der Nigerianer. Klugheit in Geschäfts­angelegen­heiten sowie Sorgfalt und Ehrgeiz tragen wesentlich zur dynamischen Entwicklung des Wirtschaftsstandortes bei. Deutsche Unternehmer sollten bereit sein, mit durchsetzungsfähigen und gleichberechtigten Geschäftspartnern zusammenzuarbeiten, die sich nicht weniger auf den Gewinn konzentrieren als sie.


Wie wird sich Ihrer Meinung nach Nigeria entwickeln?

Um seine Entwicklung fortzusetzen, braucht Nigeria eine qualitativ hochwertige Infrastruktur, mehr Transparenz und Effizienz auf allen Ebenen der staatlichen und privaten Institutionen sowie weitergehende, umfassende Reformen des regulatorischen Rahmens für Investoren, um die Leichtigkeit der Geschäftstätigkeit weiter zu erhöhen. Wenn es der neuen Regierung im nächsten Jahr nach den Wahlen gelingt, auf den bereits eingeleiteten Reformen aufzubauen und bessere Bedingungen für in- und ausländische Unternehmer zu schaffen, wird Nigeria sicherlich sein enormes Wachstumspotenzial im globalen Wettbewerb zeigen können.


 

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Dr. José A. Campos Nave

EMBA (Accounting & Controlling), Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht

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