Erfolgreich investieren in Singapur

zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

  

​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Singapur ein?

Singapur versteht sich als Drehkreuz in der Asien-Pazifik-Region und hängt daher stark vom globalen Wirtschaftsklima ab. Der Handels­konflikt zwischen den USA und China sowie die zunehmende politische und wirtschaftliche Abschottung in vielen Ländern wirken sich auch auf das Wirtschaftswachstum in Singapur aus. Für 2018 wurde ein Wachs­tum von 3,3 Prozent ausgegeben. Für 2019 geht die singapurische Regierung nur noch von einem Wachstum zwischen 1,5 und 3,5 Prozent aus. Man blickt jedoch aufgrund einer langfristig ausge­rich­te­ten politischen Agenda und einer gut aufgestellten Regierungsmannschaft nach wie vor zuversichtlich in die Zukunft.

Das neue EU-Singapur Freihandelsabkommen, das 2019 in Kraft treten soll, dürfte sich positiv auf die wirt­schaft­liche Lage europäischer Unternehmen in Singapur auswirken. Aus zollrechtlicher Perspektive kann etwa die sog. ASEAN Kumulierung, mit der Lieferketten in Südostasien anerkannt werden, interessante Chancen für europäische Unternehmen in der Region bergen.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Singapur beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Im „Global Competitiveness Index 4.0” des Weltwirtschaftsforums für das Jahr 2018 belegt Singapur den 2. Platz der wettbewerbsfähigsten Staaten der Welt nach den USA. Das bestätigt die Beständigkeit des sehr guten Investitionsumfelds. Das stabile politische System, die hervorragende Infrastruktur, eine exzellente Anbindung an den Welthandel sowie das vielfach ausgezeichnete Bildungssystem stellen die Grundlage dieses Inves­titions­klimas dar. Im regionalen Kontext grenzt sich Singapur von seinen Nachbarstaaten deutlich im Hinblick auf Rechtsstaatlichkeit und in dem Zusammenhang mit einer strengen Korruptions- und Antigeldwäsche-Bekämpfung ab. Im Jahr 2017 belegte Singapur Rang 6 von 176 Staaten des weltweiten Korrup­tions­wahr­nehmungsindex von „Transparency International”. Im Basel Anti-Money Laundering Index von 2018 des „International Centre for Asset Recovery” belegte Singapur Rang 97. Finnland mit 129 Punkten war hier der Punktsieger.


Folgende Bereiche gelten als Schlüsselbranchen und werden von der Regierung besonders gefördert:
  • Hochtechnologieindustrie (u.a. Feinmechanik, Elektronik, Halbleiter- und Robotertechnik),
  • Gesundheitswesen (u.a. Medizintechnik und Pharmaindustrie),
  • Stadtplanung und -entwicklung (u.a. Umwelt- und Wassertechnologien; Verkehrsmittel und -planung),
  • Logistik und Luft-/Raumfahrttechnik,
  • Regionale und globale Finanzdienstleistungen (u.a. Finanztechnologien) sowie
  • Forschung, Entwicklung und Bildung.


Nach der aktuellen Entwicklung gehen wir außerdem davon aus, dass sich die IT-Dienstleistungen / Technologienbranche (u.a. Cybersicherheit, Datencenter), die sog. Lifestyle-Branche sowie die Thematik um Erneuerbare Energien künftig weiter etablieren und großes Potenzial bieten werden.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Singapur gegenüber?

Seit jeher profitieren Unternehmen und Privatpersonen von niedrigen Steuersätzen im Land. Inzwischen möchte der Stadtstaat das Image einer Steueroase ablegen. So trat Singapur 2016 dem OECD-Rahmen „Base Erosion and Profit Shifting” (BEPS) bei, was Auswirkungen auf steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten und v.a. Verrechnungspreise mit sich brachte. Zudem sind Banken und Corporate Service Provider dazu verpflichtet, sämtliche Kunden bei einer umfangreichen „Customer Due Diligence” sorgfältig zu prüfen. Diese Compliance Regeln („Know your Customer”) werden von den Aufsichtsbehörden genau beobachtet. Darüber hinaus nehmen wir eine zunehmend restriktive Verwaltungspraxis bei der Vergabe von Arbeits­genehmigungen wahr. Auch die Gründung eines Representative Office als ein „erster Schritt” in den singapurischen Markt ist nur noch bedingt möglich. Nicht unbeachtet bleiben sollte ferner, dass Singapur 2018 vom Mobility-Dienstleister „Mercer” in seinem „Cost of Living Rating” als viertteuerste Stadt weltweit gekürt wurde.


Welche Rolle nimmt Singapur innerhalb ASEAN ein?

Auf ASEAN-Ebene hat Singapur 2018 mit dem sog. Chairmanship ASEAN (Ratsvorsitz) eine besondere Rolle eingenommen. Unter dem Titel „Resilient and Innovation” hat der Stadtstaat versucht, regionale Stabilität und Innovation bei der Digitalisierung zu fördern. Mit politischem Blick auf die Region – schwierige Wahlen in Thailand 2019, anstehende Präsidentschaftswahlen in Indonesien 2019 und die Präsidentschaft von Duterte auf den Philippinen – dürfte Singapur auch weiterhin der Stabilitätsgarant für ausländische Investoren in der Region bleiben.

Singapur ist sehr darum bemüht, die Funktion als Drehkreuz in der Region auszubauen. Schon lange gilt der Stadtstaat als Logistik-, Finanz- und Investitions-Hub und dient vielen ausländischen Unternehmen als regionales Headquarter in der Asien-Pazifik-Region. Diese Funktion möchte Singapur weiter ausbauen und setzt verstärkt auf die Wahrnehmung als Dispute Settlement und Restructuring Hub. So verfügt Singapur über eine erstklassige Infrastruktur im Bereich der Streitbeilegung durch die Kombination aus dem „Singapore International Commercial Court”, dem „Singapore International Arbitration Centre” und dem „Singapore Interntional Mediation Centre”. Internationale Abkommen, wie der Beitritt zu dem Haager Übereinkommen über Gerichtsstandsvereinbarungen oder der „UN-Singapore Convention on Mediation”, sorgen zudem für eine vereinfachte Vollstreckung und dienen letztendlich der Rechtssicherheit. Als Restrukturierungshub bietet Singapur nun – vergleichbar mit dem US-Insolvenzrecht – Möglichkeiten einer grenzüberschreitenden Restrukturierung von Unternehmen in finanzieller Schieflage an.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Singapur weiterentwickeln?

Singapur befindet sich seit Jahren auf einem hohen Entwicklungsniveau und wird diesen positiven Trend tendenziell auch künftig fortführen. Die singapurische Regierung ist v.a. darum bemüht, die aktuelle Wettbewerbsfähigkeit des Stadtstaates nicht nur zu erhalten, sondern etwa durch gezielte Förder­programme weiter auszubauen. Auch 2018 förderte die singapurische Regierung wieder finanziell in großem Umfang die Digitalisierung kleinerer und mittelständischer Unternehmen. Mit dem Fokus auf das Thema „Industrie 4.0” geht auch das Ziel einher, das Land in den kommenden Jahren zum Vorreiter im Bereich „Smart and Green Megacities” zu machen.

Jedoch sieht sich Singapur in den kommenden Jahren wegen der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft einigen Herausforderungen gegenüber. Neben damit verbundenen politischen Aufgaben (Sozialwesen), wird der Stadtstaat künftig insbesondere einen erhöhten Steuerbedarf haben. Dem hat man jüngst mit der Ankündigung einer Mehrwertsteuererhöhung von 7 auf 9 Prozent zwischen den Jahren 2021 und 2025 Rechnung getragen.



 Kulturelle Besonderheiten in Singapur

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