Selbst getragene Benzinkosten sind bei Anwendung der 1-Prozent-Methode als Werbungskosten abziehbar

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  • ​Inwieweit können trotz Anwendung der 1-Prozent-Regelung selbst getragene Kosten für den Firmenwagen als Werbungskosten geltend gemacht werden?
  • Mit dieser Frage beschäftigte sich das Finanzgericht (FG) Düsseldorf im Urteil vom 4. Dezember 2014.

Von Melanie Erhard
 
Ein Außendienstmitarbeiter hatte von seinem Arbeitgeber einen Firmenwagen zur Verfügung gestellt bekommen, den er auch für private Fahrten nutzen durfte. In der Lohnabrechnung wurde die private Nutzungsmöglichkeit des Fahrzeugs pauschal nach der 1-Prozent-Methode bewertet. So weit, so gut.

 
Im Streitfall war es jedoch Teil der Vereinbarung mit dem Arbeitgeber gewesen, dass der Arbeitnehmer sämtliche Benzinkosten aus eigener Tasche zahlen sollte. Das Finanzgericht Düsseldorf klärte nun im Urteil vom 4. Dezember 2014 (Az. 12 K 1073/14 E)  die Frage, ob und in welcher Höhe die selbst getragenen Benzinkosten beim Arbeitnehmer Werbungskosten darstellen.
 

Hintergrund

Alle Einnahmen, die dem Arbeitnehmer aus dem Dienstverhältnis zufließen, gelten als Arbeitslohn. Die Bezeichnung der Zuwendung und deren Form sind unerheblich. Die Sachzuwendung, die der Arbeitnehmer durch die private Nutzungsmöglichkeit eines Firmenwagens erlangt, muss deshalb in der Lohnabrechnung berücksichtigt werden.
     
Soweit das Verhältnis der privaten zu den geschäftlichen Fahrten nicht durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachgewiesen wird, ist die Möglichkeit der privaten Mitbenutzung des Fahrzeugs nach der 1-Prozent-Methode zu bewerten. Pauschal wird hier pro Monat 1-Prozent des Bruttolistenpreises des Fahrzeugs als fiktiver Arbeitslohn angesetzt. Fahrten des Arbeitnehmers zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte werden zusätzlich berücksichtigt.
 

Das Urteil des FG Düsseldorf

Mangels regelmäßiger Arbeitsstätte (erster Tätigkeitsstätte) hatte der Arbeitnehmer mit seinem Firmenwagen keine Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (erster Tätigkeitsstätte) zu verzeichnen, er hatte lediglich berufliche Fahrten und rein private Fahrten unternommen.
 
In Summe waren ihm im Streitjahr 2012 Benzinkosten in Höhe von 5.599 Euro entstanden, die er in seiner Einkommensteuererklärung als Werbungskosten im Rahmen seiner nichtselbständigen Tätigkeit geltend machte.
 
Das Finanzgericht bestätigte den Werbungskosten-Abzug sämtlicher selbst getragener Benzinkosten und begründete diese Auffassung wie folgt:
  • Berufliche Fahrten

    Gemäß Vereinbarung mit dem Arbeitgeber mussten die auf die betrieblichen Fahrten entfallenden Benzinkosten vom Arbeitnehmer selbst getragen werden. Die auf diese Fahrten entfallenden Benzinkosten wurden damit zur Erzielung von Einnahmen aufgewandt und sind nach den allgemeinen Grundsätzen in voller Höhe als Werbungskosten abziehbar.
  • Private Fahrten

    Das Finanzgericht kam zu der Auffassung, dass auch die für die Privatfahrten angefallenen Benzinkosten Werbungskosten darstellten, da sie zur Erlangung des nach der 1-Prozent-Regelung berechneten Sachlohns „private Kfz-Nutzung” aufgewendet werden mussten.
     
    Entgegen der Entscheidung des BFH vom 18. Oktober 2007 (Az. VI R 57/06) sei der Abzug der Benzinkosten als Werbungskosten nicht deshalb zu versagen, weil der Arbeitslohn „private Kfz-Nutzung” pauschal nach der 1-Prozent-Regelung ermittelt worden sei.
     
    Die Regelungen des § 8 Abs. 2 S. 2 bis 4 EStG und damit die hier angewandte 1-Prozent-Regelung stellten lediglich spezielle Grundsätze für die Bewertung der Einnahme „private Kfz-Nutzung” dar.  Aussagen zum Werbungskostenabzug enthielten vorgenannte Regelungen nicht, so dass hier die allgemeinen Vorschriften Anwendung fänden. Ohne ausdrückliche gesetzliche Anordnung könne die Abzugsfähigkeit der Erwerbsaufwendungen nicht von der Bewertung der Einnahme abhängig gemacht werden.

 
Die vom Steuerpflichtigen getragenen Benzinkosten für berufliche und private Fahrten wären somit steuerlich gleich zu behandeln und seien in Gänze als Werbungskosten im Rahmen der nichtselbständigen Tätigkeit abzugsfähig. Folglich erübrige sich die Aufteilung der Kosten, so die Richter.
 
Wären im Streitfall Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (erster Tätigkeitsstätte) angefallen, die durch Ansatz der Entfernungspauschale als Werbungskosten i. S. d. § 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 4 EStG (0,30 Euro pro Entfernungskilometer) abgegolten sind, so hätten die als Werbungskosten geltend gemachten Benzinkosten anteilig um die für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte angefallenen Benzinkosten gekürzt werden müssen. Dabei wären die für Fahrten zur Arbeitsstätte (ersten Tätigkeitsstätte) zurückgelegten Kilometer mit der Gesamtjahresfahrleistung des Firmenwagens in Relation gesetzt worden. Nach Ansicht des Senats hätten die für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (erster Tätigkeitsstätte) zurückgelegten Kilometer auch ohne ordnungsgemäßes  Fahrtenbuch leicht festgestellt werden können.

 

Hinweis

Die Richter betonten, dass bei Anwendung der 1-Prozent-Regelung die Ungleichbehandlung zwischen Arbeitnehmern, deren Arbeitgeber sämtliche Kfz-Kosten übernimmt, und Arbeitnehmern, die einen Teil der Kosten selbst tragen, nur durch den Abzug individueller getragener Kfz-Kosten als Werbungskosten abgemildert werden könne.
 
Auch würde es gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen, dass Unternehmer bei Anwendung der 1-Prozent-Regelung sämtliche Kfz-Kosten steuermindernd geltend machen können, während Arbeitnehmer selbst getragene Kosten nur eingeschränkt als Werbungskosten ansetzen dürften.
 
Der Fall liegt nun dem BFH zur Entscheidung vor (Az. VI R 2/15). Es bleibt abzuwarten, wie sich die Münchner Richter zu der Thematik äußern.
 
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 zuletzt aktualisiert am 31.03.2015

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