Die Entwicklung der ukrainischen Währung Hrywna

zuletzt aktualisiert am 13. Dezember 2017
 
In den Jahren 2014 bis 2015 hat die ukrainische Währung infolge der unstabilen politischen und wirtschaftlichen Situation zwischen 70 und 90 Prozent im Verhältnis zum US-Dollar verloren. Die Devisenreserven der Nationalbank der Ukraine sind 2015 auf weniger als 6 Mrd. US-Dollar geschmolzen (zum Vergleich: Ende September 2014 betrugen die Devisenreserven in der Ukraine noch fast 16 Mrd. US-Dollar). Auf dem ukrainischen Markt existierten Anfang 2014 fast 190 Banken – der größte Teil davon war zahlungsunfähig. In dieser Situation stand die ukrainische Regierung und die ukrainische Nationalbank (NBU) vor großen Herausforderungen und Aufgaben: bspw. die Stabilisierung der nationalen Währung „Hrywna”, die Bereinigung des Bankensystems sowie der Aufbau der Devisenreserven der Nationalbank.
 

Folgen der Devisenbeschränkungen

Die NBU hat seit 2014 sehr strenge Devisenbeschränkungen eingeführt, um den Abfluss des Kapitals aus der Ukraine zu stoppen. Davon waren sowohl natürliche als auch juristische Personen sehr stark betroffen. Die Devisenbeschränkungen waren jedoch erforderlich, um die Währungssituation im Land zu verbessern. Z.B. durften juristische Personen lediglich einen kleinen Betrag in Hrywna täglich in Fremdwährung umtauschen, Devisenkäufe für den Devisentransfer ins Ausland sowie Devisenüberweisungen natürlicher Personen ins Ausland aus Bankkonten in Fremdwährung waren beschränkt, Unternehmen mussten einen Teil des Devisenerlöses zwangsweise in Hrywna umtauschen und Devisenkäufe für Dividendenüberweisungen ins Ausland waren verboten. Seit 2016 hat sich die Situation nach und nach verbessert. Je entspannter die Situation auf dem lokalen Devisenmarkt wurde, desto mehr Lockerungen der Devisenbeschränkungen folgten. Das führte zu einer deutlichen Verbesserung des Investitionsklimas: So wurde bspw. der Kauf von Fremdwährung zum Zweck der Abfuhr von Dividenden erlaubt, der Termin für den Eingang von Devisenzahlungen in die Ukraine aus Exportgeschäften wurde von 90 auf 120 Kalendertage verlängert und der Zwangsumtausch von Fremdwährung aus Exportgeschäften wurde reduziert und später ganz aufgehoben.
 

Stabilisierung der Hrywna und Währungspolitik der NBU

Die strengen Devisenbeschränkungen, die in der Ukraine seit 2014 gelten, haben der NBU erlaubt, die kritische Lage der Hrywna ein wenig zu stabilisieren. Seit 2015 variiert der Umtauschkurs zwischen 28 und 32 Hrywna für 1 Euro. Die Währungsreserven der Ukraine wurden wiederaufgebaut und betragen z.Z. fast 17 Mrd. US-Dollar. Die größten Umtauschschwankungen, wie sie noch 2014 und Anfang 2015 existierten (d.h. der tägliche Verfall der Hrywna), sind nicht mehr vorhanden. Das kann man der richtigen Währungspolitik der NBU in den letzten Jahren zuschreiben.
 

Die NBU hat für 2017 ursprünglich eine Inflationsrate von 8 Prozent prognostiziert. Inzwischen wurde die Erwartung auf 9,1 Prozent angehoben. Experten der NBU sprechen sich für die Senkung der Zinsen in den Jahren 2018 bis 2022 aus, wenn die Inflation nachlassen wird. Die Zinssenkungen könnten jedoch die nominale Abwertung der Hrywna verursachen. Im Moment sind keine großen Kursschwankungen zu erwarten. Der Internationale Währungsfonds hat 2014 der Ukraine einen Kredit i.H.v. 17,5 Mrd. US-Dollar genehmigt. Die ersten Tranchen wurden bereits in den vergangenen Jahren und Monaten ausgezahlt. Ein Teil des Geldes wurde für die Stabilisierung der Hrywna verwendet.
 

Bereinigung der Banken

Für die Stabilisierung der Währung war auch die Bereinigung der Banken von großer Bedeutung. In den Jahren 2014 und 2015 war der ukrainische Bankensektor von der größten Krise in der gegenwärtigen Geschichte der Ukraine betroffen. Innerhalb von 3 Jahren wurden fast 50 Prozent der Banken insolvent. Sie haben über fast 30 Prozent aller Aktiva des gesamten Sektors verfügt. Diese Krise war nicht nur Folge des Konflikts im Osten des Landes, sondern auch des wirtschaftlichen Einbruchs nach der Maidanrevolution und v.a. der Struktur des Bankensektors, die schon seit Jahren als nicht funktionsfähig galt. Man darf nicht vergessen, dass sich in sehr vielen Fällen die Banken nicht mit typischen Bankgeschäften beschäftigten, sondern sie als Mittel für eigene Geschäfte der Bankinhaber fungierten. Seit 2014 wurden etwa 90 Banken liquidiert. Das ist aber noch nicht das Ende des Bereinigungsprozesses: Es wird vermutet, dass noch einige Banken den Betrieb einstellen werden. Die größte Bank in der Ukraine, die „Privatbank”, wurde im Dezember 2016 verstaatlicht. Der ukrainischen Regierung und der NBU ist es mit Hilfe der IMF, EU und anderen westlichen Ländern gelungen, die Situation im Bankensektor zu stabilisieren und die Verfalltendenzen zu stoppen. Das wurde durch die Liquidation der nichtzahlungsfähigen Banken, durch die Änderungen in der Gesetzgebung sowie durch die Verbesserung der Konditionen der bestehenden Banken durch die zusätzliche Kapitalisierung und Restrukturierung erreicht. Es ist aber noch zu früh, um festzustellen, ob der Prozess der Bankenbereinigung in der Ukraine erfolgreich abgeschlossen ist.
 

Fazit

2017 wurden die Lebensmittelpreise angehoben. Die Energiepreise sind seit 2014 stetig angestiegen, da sich die Ukraine gegenüber des Internationalen Währungsfonds zu einer Haushaltskonsolidierung verpflichtet hat, die eine Anpassung der Energiepreise an das Marktniveau vorsieht.
 

Die ukrainische Wirtschaft wächst seit 2016 kontinuierlich und laut den Meinungen der Experten gibt es im Moment keine ökonomischen Gründe für die Abwertung der Hrywna. Die Experten der IWF warnen jedoch, dass die Hrywna weiter abgewertet werden könnte, falls die Reformen nicht zügig vorangetrieben werden und die Auszahlung der nächsten Tranche des IWF Kredits ausbleibt – die Auszahlung, die für Ende des Jahres vorgesehen war, wurde verschoben. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Ukraine die Bedingungen des IWF erfüllt und es bald zur Auszahlung der nächsten Tranche kommen wird.
 

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