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Auf die Qualität der Wirtschaftsprüfer kann man sich verlassen

PrintMailRate-it

veröffentlicht am 27. Januar 2021 | Lesedauer ca. 2 Minuten

    

Der Wirecard-Skandal hat eine heftige Diskussion über die Aufsicht und Kontrolle von Unternehmen ausgelöst, bei der auch die Arbeit von Wirtschaftsprüfern eine wichtige Rolle spielt. Das Ganze lässt sich auf die Frage, ob das Testat noch einen Wert hat, zuspitzen. Diese Frage lässt sich eindeutig beantworten. Das Testat hat unverändert seinen Wert und auf das Prüfungsurteil von Wirtschaftsprüfern kann man sich verlassen. Dafür gibt es gute Gründe.

    

  

  

    

In Deutschland werden pro Jahr viele Tausende Abschlussprüfungen mit nachweislich hoher Qualität durchgeführt. In wenigen Einzelfällen entsprechen Prüfungsleistungen tatsächlich nicht der erforderlichen Qualität; allerdings zeigt die Analyse, dass diese Fälle oftmals mit hoher krimineller Energie einzelner handelnder Personen und einem breiten Versagen von Kontrollstrukturen einhergehen. Die Arbeit von Wirtschaftsprüfern fußt auf höchsten professionellen Standards. Sie betreffen den persönlichen, fachlichen und beruflichen Bereich gleichermaßen. Die Standards werden regelmäßig mit den wichtigen Stakeholdern entwickelt bzw. fortgeschrieben. Über die Standards hat sich eine weltweit einheitliche Prüfungspraxis entwickelt. Die Anwendung dieser Standards ist verbindlich geregelt und wird über verschiedene Instanzen regelmäßig überwacht. Fehlverhalten wird sanktioniert.

  

Wirtschaftsprüfer unterliegen als einer der wenigen Berufsstände einer gesetzlich verankerten umfangreichen Fortbildungsverpflichtung. Der Nachweis der Fortbildung ist aktiv zu führen und wird regelmäßig kontrolliert.

Der Umfang, die Herangehensweise und Berichterstattung über die Jahresabschlussprüfung wurde in den letzten Jahren intensiv weiterentwickelt und stärker an den Erwartungen der Adressaten ausgerichtet. Den ehemals sehr kurzen, formelhaften Bestätigungsvermerk gibt es nicht mehr. Vielmehr ist der Abschlussprüfer aufgefordert, über die Vorgehensweise, den Inhalt und die Schwerpunkte der Prüfung sowie über sein Urteil ausführlich und unternehmensindividuell zu berichten. Regelmäßig gibt es heute Modifikationen oder zusätzliche Aussagen im Bestätigungsvermerk, die für die Beurteilung des Unternehmens und seinen Entwicklungsperspektiven wertvolle Informationen beinhalten.

  

Die Digitalisierung der Unternehmen und damit der Einsatz von ERP-Systemen über die wesentlichen Geschäftsprozesse von Unternehmen, ermöglicht uns Wirtschaftsprüfern eine bessere, häufig lückenlose Prüfung von Geschäftsvorfällen. Die Unsicherheiten von Stichproben werden deutlich reduziert. Darüber hinaus werden heute bereits zusätzliche Prüfungsinstrumente mit Machine Learning und künstlicher Intelligenz genutzt. Damit lassen sich Auffälligkeiten besser identifizieren.

  

Die Arbeit der Wirtschaftsprüfer lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Vertrauen! Wirtschaft braucht Vertrauen; gerade in turbulenten Zeiten ist Vertrauen für eine funktionierende Wirtschaft von elementarer Bedeutung. Mit der professionellen Abschlussprüfung trägt der Wirtschaftsprüfer seit gut 80 Jahren zum Vertrauen in die finanzielle Berichterstattung bei und ist ein wesentlicher Bestandteil gelebter guter Corporate Governance. In der Rolle des Beraters oder Gutachters schafft der Wirtschaftsprüfer Vertrauen bei vielen weiteren Anlässen in einem dynamischen Wirtschaftsumfeld. Beispielhaft seien hier  Unternehmensbewertungen, Accounting Advisory, IPO-Readiness, Transaktionen, Post Merger Integration, Interne Revision, Sanierung und Restrukturierung sowie Corporate Social Responsibilty erwähnt.

  

Der Wirecard-Skandal muss aufgearbeitet werden; das gilt auch für die Rolle und Qualität der damit verbundenen Abschlussprüfung, um die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Nicht zielführend ist aufgrund dieses dramatischen Einzelfalls das bewährte System der Abschlussprüfung bzw. die Arbeitsweisen und Rahmenbedingungen für Wirtschaftsprüfer gänzlich infrage zu stellen. Bereits die jetzt vorliegenden Erkenntnisse des Wirecard Skandals zeigen, dass der Schlüssel zu einer Steigerung des Vertrauens in die Berichterstattung von Unternehmen in der Weiterentwicklung verpflichtender Governance- und Compliance-Regeln für alle Überwachungsorgane liegt. Das Management, der Aufsichtsrat und die Gesellschafter von Unternehmen sind der unbedingte Ausgangspunkt für eine ordentliche Unternehmensführung und vertrauenswürdige Berichterstattung. Die Wirtschaftsprüfer und andere Kontrollinstanzen, wie bspw. die BaFin, sind die weiteren wichtigen Bausteine eines wirksamen Überwachungsprozesses. Aus Wirecard werden alle lernen müssen.    

  

Köln im Januar 2021

Martin Wambach

Geschäftsführender Partner

Rödl & Partner

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