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Interview: Moderne Wirtschaftsprüfung ist mehr als der „reine” Jahresabschluss

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zuletzt aktualisiert am 14. Dezember 2021 | Lesedauer ca. 3 Minuten


Interview mit Martin Wambach


Was bedeutet für Sie „Wirtschaftsprüfung” heute?

Die Wirtschaftsprüfung hat zunächst einen gesetzlichen Auftrag – den der Prüfung der Jahres­ bzw. Konzernabschlüsse von prüfungspflichtigen Unternehmen. Allerdings sind Wirtschaftsprüfer nach dem Leitbild des Gesetzes auch betriebswirtschaftliche Sachverständige. Das macht sie für das Top-Management in Unternehmen – den Unternehmer selbst, die Gesellschafter, den Auf­sichtsrat usw. – zum bevorzugten Gesprächspartner bei vielen unter­nehmerischen operativen, wie strategischen Fragestellungen.


Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen rund um den Wirecard-Bilanzskandal und das in diesem Zusammenhang verabschiedete Finanzmarktintegritätsgesetz (FISG) sowie die schnell zunehmende Bedeutung der Themen rund um Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility entwickelt sich die Wirtschaftsprüfung für die Beurteilung der Zuverlässigkeit der Rechnungslegung sowie der Governance und Compliance von börsennotierten Unternehmen zu einer wichtigen Vertrauensdienstleistung.

Wie definieren Sie die Rolle des modernen Wirtschaftsprüfers?

Ein wichtiger Bestandteil unseres heutigen Verständnisses eines modernen Wirtschaftsprüfers ist, neben der klassischen Prüfertätigkeit, auch als Berater in allen relevanten betriebswirtschaftlichen, steuerlichen, rechtlichen und planerisch-strategischen Aspekten zur Verfügung zu stehen. Unternehmen haben heute ein ureigenes Interesse, ihre wesentlichen Geschäftsprozesse zu standardisieren. Die Standardisierung unterstützt Skalierung, d.h. die Prozesse wachsen mit den Unternehmen mit. Die optimierte Standardisierung der Geschäftsvorfälle und damit verbundenen Prozesse ist die Grundlage für eine zielgerichtete Digitalisierung in Form von ERP-Systemen und Rapid Process Automation (RPA).

 

 

Kurz gesagt: Die Digitali­sierung führt zu einer immer stärkeren Fokussierung auf die Daten und Geschäftsprozesse.

 

 

Die Rolle des modernen Wirtschaftsprüfers ist mit der eines Radiologen zu vergleichen. Als Jahresabschlussprüfer verfügen wir über ein Privileg, um das uns andere beneiden: das Privileg, die von uns betreuten Unternehmen und Einrichtungen aus dem Effeff zu kennen. Einem Radiologen gleich, geht mit unserer Professionalität als hoch qualifizierte Experten der Anspruch einher, die nur uns zugänglichen Informationen fundiert zu analysieren und zu bewerten. Wir würden einen sehr schlechten Job machen, wenn wir bei der Jahres­abschlussprüfung stehen blieben und unsere Mandanten mit ihren zusätzlichen Herausforderungen alleine ließen. Der Mandatsverlust wäre die Folge. Ebenso verlöre der Radiologe seine Patienten, wenn er die Erken­ntnisse, die ihm das Röntgenbild liefert, ignorieren würde. Mit der bereits erwähnten Daten- und Prozessorientierung können wir Wirtschaftsprüfer noch viel passgenauer den Unternehmen die konkreten Schwachstellen auf­zeigen und zielgerichtete Vorschläge zur Verbesserung formulieren. Gerade mit Blick auf die Krisenfestigkeit und eine ordentliche Governance bzw. Compliance bekommt die Daten- und Prozessqualifikation der Wirtschaftsprüfer eine ganz besondere Bedeutung.

Hat sich Rolle und Funktion des modernen Abschlussprüfers verändert?

Die Wirtschaftsprüfungspraxis hat sich seit Ende der 90er Jahre fundamental geändert, weil man feststellte, dass die damalige Pflicht der Prüfungspraxis nicht mehr in Einklang stand mit den Anforderungen moderner Unternehmen. Das heißt, der moderne Wirtschaftsprüfer ist nicht nur Bilanz­fachmann, Rechnungslegungsfachmann, sondern er ist eben DER Fachmann für Daten und Geschäftsprozesse. Er ist im Mittelstand regelmäßig der einzige, der neben dem Unternehmer Zugang zu den vertraulichsten Informationen hat. Unsere Mandanten sehen uns daher auch als Kümmerer, der ihnen hilft, den unternehmerischen Erfolg nachhaltig zu sichern.

Was können Unternehmen von ihrem Wirtschaftsprüfer heute erwarten?

Mehr als die reine Jahres- und Konzernabschlussprüfung. Es wird von uns erwartet, dass wir Unternehmen mit unserem Know-how und unserer Erfahrung durch­leuchten und dem Top-Management eine Hilfestellung anbieten, Dinge zu verbessern. Insofern sind wir heute als Wirtschaftsprüfer auch Teil der gelebten Compliance und des Risikomanagements.


 Mit unserem „Smart Audit made in Germany”-Ansatz sind wir in der Lage, unsere Prüfungstätigkeit am digitalen Reifegrad unserer Mandanten auszurichten. Im Idealfall treffen wir auf ein modernes ERP-System, das weltweit die wesentlichen Geschäftsprozesse abbildet und auf eine weitgehend über zentrale Shared Service Center geprägte Organisation. In dem Fall können wir mithilfe von Business Analytics und Process Mining auf der Transaktionsebene prüfen und ersparen uns aufwendige Stichproben oder Einzelfallprüfungen.


„Smart Audit made in Germany” heißt aber auch, die (normale) Jahresabschlussprüfung mandanten- und anlassindividuell mit weiteren Prüfungsinhalten anzureichern. Auf die Weise verzahnen wir Wirtschaftsprüfer uns intelligent in die gesamte Überwachungsarchitektur und tragen mit unseren erweiterten Prüfungen zu verlässlichen Geschäftsprozessen bei. Typischerweise geht es dabei um die Bereiche Betrug, Korruption, Managementqualität, Nachhaltigkeit oder auch Cyber-Security und Datenschutz.


Damit liefern wir unseren Mandanten einen spürbaren Nutzen zur erfolgreichen internationalen Geschäftstätigkeit. Zusammen mit dem Ziel, weltweit alle Prüfungs- und Beratungsleistungen aus einer Hand zu erbringen, könnte man im Sinne der deutschen Hidden Champions auch von einer „Wirtschaftsprüfung made in Germany” sprechen.

Mehr als die reine Jahres- und Konzernabschlussprüfung: Wie stellen Sie dieses „Mehr” in der Beratung sicher?

Wirtschaftsprüfer genießen eine der „breitesten” Ausbildungen, die die Bereiche Betriebswirtschaft, Recht, Steuern und IT umfasst. Darüber hinaus gewährleisten wir mit unserer „Audit Academy”, das alle unsere Wirtschaftsprüfer und Mitarbeiter zu neuen Themen regelmäßig intensiv geschult werden. Wir sind aber auch offen für die neuen Entwicklungen, die mit der Spezialisierung auf bestimmte Themen verbunden sind. In unserem Geschäftsfeld Wirtschaftsprüfung verfügen wir heute bereits über 68 weitere spezifische Qualifikationsmuster in den Bereichen IT, Cyber-Security, Datenschutz, Compliance, Governance, Nachhaltigkeit uvm. Von daher sind wir bestens gerüstet, unsere Mandanten umfassend in Daten- und Prozessaufgabenstellungen, aber auch bei Reporting-, Überwachungs-, Prüfungs- und Beratungsaufgaben effektiv zu unterstützen.

 

Und: Bei uns ist regelmäßig das Team der Star. Länderübergreifend setzen wir zusammen mit unseren nationalen und internationalen Kollegen Standards mit Blick auf eine reibungslose Zusammenarbeit.

 

Unser Selbstverständnis verlangt, bei allen unseren Aktivitäten inhaltlich über den Tellerrand hinaus zu schauen und aktuelle Themen proaktiv bei unseren Mandanten anzusprechen. Unseren Wirtschaftsprüfern kommt hierbei als zentraler Kümmerer für unsere Mandanten eine besondere Bedeutung zu. Mit der beschrieben Kompetenz und Erfahrung sorgen sie dafür, dass alle unsere Prüfungs- und Beratungsaktivitäten einen konkreten Mehrwert für unsere Mandanten bringen. Dieser Mehrwert zahlt in die Sicherung und die Fortentwicklung des unternehmerischen Erfolgs unserer Mandanten unmittelbar ein.

 


Kontakt

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Martin Wambach

Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, IT-Auditor IDW

Geschäftsführender Partner, Chief Digital Officer

+49 221 9499 091 00
+49 221 9499 099 00

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