Angola: Chance für deutsche Unternehmer

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​veröffentlicht am 4. November | Lesedauer ca. 4 Minuten

 

Wirtschaftlich betrachtet ist Angola ein reiches Land, da es einerseits über sehr große Erdöl­vorkommen verfügt. Jedoch ist die Wirtschaft der Republik in einem sehr hohen Ausmaß von ihren Erdölein­nahmen abhängig. Das wird deutlich, wenn man be­trachtet, dass dieser Sektor über 90 Prozent der gesamten Exporte des Landes darstellt.

 

 

 

 

Zudem besitzt Angola in großem Umfang natürliche Boden­schätze, bspw. Gold, Mangan, Nickel, Kupfer, Eisen­erz, Kohle und Uran. Allerdings verfügt es über ein noch weitgehend uner­forschtes Mineralvorkommen und der Bergbausektor trägt lediglich fünf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes bei, da die für einen weiteren Abbau von Rohstoffen notwendige Technologie nicht ausreichend vorhanden ist. In diesem Sektor ist demnach noch ein erheblicher Entwicklungs­­bedarf vorhanden.

 

Darüber hinaus verfügt das Land über sehr viel landwirtschaft­liche Nutzfläche mit fruchtbaren Ackerböden. Dennoch ist die Infra­­struktur aufgrund der großflächigen Zerstörung während des Bürgerkrieges, welcher nach der Erlangung der Unabhängig­keit Angolas im Jahr 1975 begann und 2002 endete, zum großen Teil veraltet, schlecht bzw. kaum vorhanden. Da lediglich zehn Prozent der landwirt­schaftlichen Nutzfläche für die Nahrungs­­mittelproduktion produktiv genutzt werden, stecken im Agrarsektor noch viele ungenutzte Wirt­schafts­potenziale. Zudem mangelt es an geeigneter moderner Techno­logie, um die landwirtschaftlichen Erzeug­nisse anzubauen, zu ernten und zu verkaufen. Obwohl rund 51 Prozent aller Erwerbs­tätigen in der Land­wirtschaft arbeitet, trägt dieser Sektor lediglich rund zehn Prozent zum BIP bei. Daraus resultiert ein hoher Nachholbe­darf im Nahrungsmittelbereich, welcher wiederrum zu einer hohen Importab­­hängigkeit für Agrar­produkte, wie bspw. Mais, Sojabohnen, Obst und Gemüse geführt hat.

 

Im Rahmen der neuen Reformen der ango­lanischen Regierung gibt es bereits diverse Projekte, die dazu beitragen sollen, die landwirt­­­schaft­liche Produktion zu erhöhen und schließlich die eigene Nahrungs­­mittel­verarbeitung auszubauen, bspw. durch die Privatisierung diverser staatlicher Agrarbetriebe.

 

Ziele und Reformbestrebungen der angolanischen Regierung

Angolas wirtschaftliche Abhängigkeit vom Ölsektor hatte das Land 2016, insb. aufgrund des Ölpreisrück­ganges auf den globalen Weltmärkten, in eine Wirtschafts­krise gestürzt, was demzufolge u.a. zu einem Rückgang von Exporten sowie zu hohen Staatsschulden, Währungsverlust und zu Preissteigerungen geführt hat. Die Inflation hat sich insb. auch auf das Konsumverhalten der Bevölkerung ausgewirkt. Dennoch ist zu beobachten, dass sich Angolas Wirtschaft langsam für die Privatwirtschaft zu öffnen beginnt.

 

Die Regierung Angolas hat nun erkannt, wie wichtig es ist, seine Wirtschaft breiter aufzustellen und schließlich weitere Wirtschafts­­sektoren zu fördern. Nach dem Amtseintritt des Präsidenten, João Manuel Gonçalves Lourenço, wurden seit 2018 notwendige Maßnahmen getroffen, um das Land für internationale Investoren attraktiv zu machen. Zudem soll die angolanische Wirtschaft stärker wachsen und die lokale Produktion insgesamt gestärkt werden. Mit der Hilfe von Programmen zur Förderung von privaten Investitionen und zur Diversifizierung, vor allem in der Industrie, im Handel und im Agrarsektor, soll sich die Wirtschaft Angolas stärker entwickeln und ihre hohe Importab­hängigkeit verringert werden. Hierzu zählen u.a. auch das neue Gesetz für Privatinves­titionen, das neue Wettbewerbsrecht, der Abbau der Bürokratie, der Ausbau der Erneuer­baren Energien, die notwendigen Investitionen in den Bildungs- und Gesundheits­sektor und in die Industrie- und Verkehrsinfrastruktur. Insbesondere sollen sodann die Lebens­bedingungen der im Land le­benden Bevölkerung verbessert werden. Hierzu gibt es zudem verschiedene Förderländer, die Finanzierungen für Vorhaben des Staates bereitstellen.

 

Der schwache Ease-of-Doing-Business-Index der Weltbank 2018 (Rang 173 von 190 Ländern) sowie die hohe Korruption des Landes (Korruptionsindex: Rang 165 von 180 Ländern) erklären die derzeit noch sehr zögerliche Zurückhaltung mancher ausländischer Investoren bei ihrem Geschäftseintritt Angolas. Zu den möglichen Marktein­trittshürden, die einen erfolgreichen Marktein­tritt behindern könnten, gehören u.a. die schwache Infra­struktur, die ineffiziente und hohe Bürokratie (administrative Hürden) und die Devisen­politik. Mit not­wendigen Reformen versucht die Regierung gegen diese Schwächen zu steuern.

 

In wie weit die Reformen Angolas Erfolg bringen werden, wird auch daran erkennbar werden, wie gut sich die einzelnen Wirtschafs­branchen außerhalb des Erdölsektors in Zukunft entwickeln werden.

 

Wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland

Zu Angolas wichtigsten Handelspart­nern gehören China, USA, Portugal, Indien und Südafrika. Deutschland zählte bereits zur Zeit der Kolonial­­mächte zu den bedeutendsten Handels­partnern Angolas. Nach Angaben des Delegier­tenbüros der Deutschen Wirtschaft in Luanda sind rund 20 deutsche Unternehmen auf dem ango­lanischen Markt aktiv. Das Handelsvolumen (die Summe der deutschen Ein- und Ausfuhren) zwischen Deut­schland und Angola, welches im Jahr 2017 laut Schätzung der GTAI noch rund 299 Millionen Euro betrug, belief sich im Jahr 2018 auf lediglich 184 Millionen Euro. Diese Entwicklung lässt sich unter anderem auf den weltweiten Rückgang der Erdölpreise zurückführen. In der Subsahara-Afrika-Region ist Angola1 dennoch der dritt­­wichtigste Importeur deutscher Produkte. Deutsche Unternehmen exportieren überwiegend Maschinen, Nahrungsmittel, Chemische Erzeug­nisse, Elektronik sowie Kraftfahrzeuge und -teile nach Angola. Demgegenüber führt Deutschland Erdöl und Rohstoffe aus der Republik ein.

 

Gute Aussichten auf Geschäftschancen für deutsche Unter­nehmen könnten sich vor allem in der Agrar­wirtschaft ergeben, wie bspw. die Bereit­­stellung von Technologien für die Verarbeitung land­wirtschaftlicher Erzeugnisse. Weitere Möglich­keiten, wo moderne Technologien benötigt werden, gibt es den ver­schieden­sten Sektoren:

  • Energie (beim Ausbau des Stromnetzes),
  • Wohnungs-, Straßen- und Hafen-Bau,
  • Gesundheit,
  • Wasser- und Abfallwirtschaft,
  • Kommunikation und Information,
  • Bergbau. 

 

Darüber hinaus ist in der weiterverar­beitenden Industrie (Getränke-, Textil-, Papier- und Möbelindustrie) ein erheblicher Entwicklungs­bedarf vorhanden. In diesen Bereichen sind deutsche Unternehmen mit ihrer qualitativ sehr guten und zuverlässigen Technologie und Know-how bestens qualifiziert. Der Wissenstransfer an die im Land lebenden Bevölkerung könnte zudem zu Innovationen führen, die diese Unternehmen mit gestalten und entwickeln könnten.
 

Investitionsmöglichkeiten für deutsche Investoren

Für Investoren bieten sich laut Wirtschaftsre­cherchen viele Chancen. Dennoch dürfen die möglichen Risiken aufgrund der Länderratings nicht außer Acht gelassen werden.


Für einen Unternehmer, der einen Geschäftseintritt in Angola in Erwägung zieht, ist eine gründliche inter­kulturelle Vorbereitung auf das Land ratsam, da sich beide Kulturen wesentlich voneinander unterscheiden. Er sollte bspw. beachten, dass er bei seinem Angolageschäft oft Geduld braucht, bis es zum Abschluss eines Geschäfts kommen kann. 
 

Angola eher als Exportland

Angola könnte als Exportland für deutsche Unternehmen in Betracht kommen, da die Republik für den Aufbau ihrer Wirtschaft die Technologie aus Deutschland dringend benötigt. 


Für ein Investitionsland werden die Risiken dennoch aufgrund der aktuellen Liquiditäts­situation derzeit als zu hoch eingeschätzt. So ist bspw. die Rückführung von Kapital aus Angola nach Deut­schland meist mit einem hohen Wert­verlust mit hohen Abschlägen verbunden (nach einem Geldumtausch von Euro in Kwanza). Ein solches Risiko ist ein Mittel­ständler meistens nicht bereit, zu tragen. Folglich wird aus heutiger Sicht ein Investitions­geschäft für einen deutschen Investor noch als weniger interessant betrachtet als für einen deutschen Unternehmer, der seine Waren und Dienst­leistungen nach Angola zu exportieren beabsichtigt.

 

1 Nach Südafrika und Nigeria
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