Vorsicht bei Werbung mit „gekauften” Bewertungen

zuletzt aktualisiert am 7. August 2019 | Lesedauer ca. 2 Minuten

 

Vermutlich jeder, der Social Media-Plattformen nutzt, kennt die Situation: Beim Scrollen durch die eigene Startseite werden mehrere Beiträge von Unternehmen angezeigt, die über die jeweilige Platt­form Gewinnspiele anbieten. Als Gegenleistung wird von den (potenziellen) Kunden oft ver­langt, den Beitrag „zu liken, zu kommentieren und/oder zu teilen” oder die Seite des Unternehmens „zu liken”, um am Gewinnspiel teilnehmen zu können.

  

 

Werden diese im Rahmen des Gewinnspiels abgegebenen Bewertungen oder Kommentare später bei Werbung für das Unternehmen herangezogen, ist hierin ein Wettbewerbsverstoß im Sinne von § 5 I UWG zu sehen.
 
Das hat den Grund, dass positive Äußerungen von Nutzern oder Kunden mehr Gewicht zukommt, als Äußerun­gen, die das Unternehmen selbst tätigt. Potenzielle Interessenten bewerten sie meist höher, da sie objektiv erscheinen und unentschlossene Interessenten ggf. auch zum Kauf bewegen.
 
Das OLG Frankfurt (Urteil vom 16. Mai 2019 - 6 U 14/19) hat entschieden, dass es eine wettbe­werbs­recht­­liche Irreführung darstellt, wenn mit Kundenbewertungen geworben wird, die (auch) dazu abge­geben worden sind, um den Kunden als Gegenleistung für eine Bewertung die Teilnahme an einem Gewinnspiel zu ermög­lichen. Das ist auch dann der Fall, wenn mit einer Gesamtbewertung geworben wird, die aus den Bewertungen und im Rah­men des normalen Geschäftsbetriebs erlangten Kundenbewertungen resultiert. 
 
Dabei ist es irrelevant, ob aus den einzelnen Bewertungen hervorgeht, ob sie beim Gewinnspiel ab­ge­geben worden sind oder nicht. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass alle Bewertungen, die im Zeit­raum des laufenden Gewinnspiels abgegeben wurden, durch dieses beeinflusst wurden/werden konnten.

 
Grundsätzlich ist Werbung mit bezahlten Empfehlungen unzulässig, da sie durch den Bewertenden nicht objek­tiv abgegeben werden. Auch wenn hier keine Bezahlung oder Kauf der Bewertungen im eigentlichen Sinne er­folgt ist, ist eine Werbung mit Kundenbewertungen aus einem Gewinnspiel unzulässig, da sie i.d.R. posi­tiver ausfallen, als reguläre Kundenbewertungen.
 

Hierzu führt das OLG Frankfurt aus:

„Die Bewertungen sind zumindest teilweise nicht frei und unabhängig abgegeben worden. Es ist davon auszu­gehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Bewertungen nur deshalb abgegeben wurde, weil die Bewerter durch die Gewinnspielteilnahme „belohnt” wurden. Es liegt auch auf der Hand, dass Bewertungen aus Anlass des Gewinnspiels eher positiv ausfallen. Es ist damit zwar keine „bezahlte” Empfehlung im Wortsinn gegeben. Gleichwohl sind die Bewertungen nicht als objektiv anzusehen.”

Für das Vorliegen eines Wettbewerbsverstoßes ist es auch unerheblich, ob der Verkehr die Werbung erkennen könne oder nicht: 

 
„Die Antragsgegnerin kann schließlich auch nicht damit gehört werden, eine Irreführung scheide deshalb aus, weil der Verkehr ohne weiteres erkenne, dass es sich bei den Angaben auf […] um Werbung handelt. Darum geht es nicht. Der Vorwurf liegt nicht in der Schaltung getarnter Werbung, sondern in der (offenen) Werbung mit Bewertungen, die (verdeckt) gekauft wurden.”
 

Fazit

Auch wenn eine Vielzahl an positiven Bewertungen für jedes Unternehmen ohne Zweifel vorteilhaft sind, ist davon abzuraten, Bewertungen als Teilnahmebedingung für ein Gewinnspiel zu machen und mit diesen Bewer­tungen zu werben, da sie meist als nicht objektiv anzusehen sind. Vielmehr kann dadurch bei (potenziellen) Interessenten ein Irrtum über die Bekanntheit des jeweiligen Unternehmens oder des beworbenen Produkts hervorgerufen werden.
 
Wenn Sie in der Praxis trotzdem mit Kundenbewertungen werben möchten, ist zu empfehlen, sie nicht an die Teilnahme eines Gewinnspiels zu koppeln. Vielmehr sollte den Kunden die Möglichkeit zur Abgabe einer Be­wer­tung „auf freiwilliger Basis” gegeben werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass Werbung mit Kunden­be­wertungen keine wettbewerbsrechtlich relevante Handlung darstellt und nicht zu Problemen mit Kon­kurrenten oder der Wettbewerbszentrale führt.


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