Teure Fehler vermeiden: Überprüfung von Financial Models bei Unternehmenstransaktionen

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zuletzt aktualisiert am 8. August 2018


Hinter der Entscheidung, ob ein Unternehmen gekauft oder verkauft wird, stehen eine Vielzahl einzelner Prozessschritte und Abwägungen seitens Verkäufer und Käufer. Abseits von emotionalen Gründen werden die meisten Akteure ihre Entscheidungen dabei anhand von finanziellen Gesichtspunkten treffen.
 


 

Hierfür werden beide Parteien versuchen das jeweilige Transaktionsobjekt in einem integrierten, zukunfts­orientierten Finanzmodell abzubilden, um die historische sowie die künftig prognostizierte Finanz-, Vermögens- und Ertragslage möglichst transparent darzustellen und eigene Vorstellungen und Erwar­tungen, wie Synergien und Auswirkungen von Finanzierungsalternativen, abzubilden. Im Allgemeinen spricht man dabei vom sog. „Financial Model”, das als Grundlage für die laufenden Verhandlungen, Diskussionen und Entscheidungen in Gremien (Aufsichtsrat, Investitionsausschuss), grundsätzliche strategische Überlegungen einschließlich der Planung der späteren Integration („Post Merger Integration”) sowie für Kreditentscheidungen von finan­zieren­den Banken dient. Aus der Vielzahl der Nutzer wird deutlich, dass ein solches Modell fehlerfrei sein muss, um finanziellen Schaden und Gesichtsverlust der involvierten Parteien zu verhindern.
 

Vorteile eines Financial Models als quantitative Entscheidungsgrundlage

Die Vorteile eines Financial Models in Microsoft Excel liegen in der Abbildbarkeit aller für die Transaktion relevanter Parameter in einem integrierten Modell, das darüber hinaus in der Lage ist, Interdependenzen zwischen ihnen adäquat abzubilden. Bei entsprechender Anlage weisen die Modelle daher einen hohen Flexibilisierungsgrad auf und die Auswirkung von sich ändernden Rahmenbedingungen kann transparent analysiert werden. Somit ergeben sich für die finale Entscheidungsvorlage eine Vielzahl möglicher Szenarien, die in die Entscheidungsfindung mit einbezogen werden können.
 

In der Praxis schleichen sich bei der Erstellung von Financial Models häufig Fehler ein, die zu falschen Ergebnissen führen und erhebliche finanzielle Folgen für die jeweilige Partei haben können. Mögliche Beispiele sind ein zu hoher bzw. geringer Kaufpreis oder eine Falschinformation eines potenziellen Käufers, die im Nachgang der Transaktion zu einem Rechtstreit führt. Hierfür gibt es zahlreiche Ursachen:
  • mangelnde Erfahrung in der Erstellung von komplexen Modellen;
  • mangelnde Abstimmung zwischen Personen, die gleichzeitig an einem Modell arbeiten;
  • Anpassungen, die unter Zeitdruck nur unsauber eingepflegt wurden oder schlichtweg Falscheingaben bei Annahmen und Formeln.

 
Doch wie können Käufer und Verkäufer sicherstellen, dass nicht schon die Entscheidungsvorlage mit derartigen Fehlern behaftet ist und somit ihre Einschätzung auf einer fehlerhaften Grundlage basiert?
 

Mittels einer systematischen Überprüfung werden Fehler Schritt für Schritt aufgespürt

Abhilfe schafft eine strukturierte Überprüfung des Financial Models auf mögliche Fehler, Schwachstellen oder Inkonsistenzen. In der Praxis spricht man dabei vom sog. „Model Review”, der idealerweise von einem unvor­eingenommenen Dritten durchgeführt wird. Der Review kann dabei in 3 Teilbereiche aufgegliedert werden:

 

Technische Überprüfung:

Die technische Überprüfung eines Financial Models bildet die Grundlage eines jeden Review Prozesses. In einem ersten Schritt wird sichergestellt, dass die innerhalb eines Financial Models verwendeten Verlinkungen und Verknüpfungen korrekt gesetzt wurden. Das betrifft im Wesentlichen die Verweise auf die in den Berechnungen verwendeten Input Daten, um sicherzustellen, dass dabei bspw. auch die Daten des jeweils gewünschten Jahres verwendet werden.
 

Ein weiterer Schwerpunkt bildet die Analyse und Evaluation der innerhalb des Financial Models verwen­deten Formeln auf mögliche Fehler, bspw. falsche Vorzeichen, falsche Argumente innerhalb einer Funktionen sowie eine mögliche Komplexitätsreduktion der verwendeten Formelsyntax.
 

Da bei einem umfangreichen Financial Model die in Microsoft Excel standardmäßig vorhandenen Funktionen schnell an ihre Grenzen kommen, wird bei der technischen Überprüfung in der Praxis zusätzlich auf professionelle Model Review Software zurückgegriffen. Damit können komplexe Modellstrukturen analysiert und farblich kartographiert werden, wodurch Formelbrüche oder Harteingaben in der Rechenstruktur leichter zu identifizieren sind.
 

Strukturelle Überprüfung:

Bei der strukturellen Überprüfung wird geprüft, ob die Gliederung und der Aufbau des Financial Models nach dem EVA-Prinzip (Eingabe → Verarbeitung → Ausgabe) erfolgt ist. Das setzt neben einer geeigneten Wahl der Modellstruktur in der Modellkonzeptionsphase auch eine korrekte Bezeichnung aller Tabellenblätter sowie der darin enthaltenen Tabellen voraus.
 

Daran schließt sich die Überprüfung des Datenflusses an. Dabei wird überprüft, ob er innerhalb des Modells stringent auf allen Tabellenblättern eingehalten wurde. Durch einen einheitlichen Datenfluss bleibt das Modell für den Benutzer transparent und leicht anpassungsfähig bei künftigen Änderungen, ohne dass Zuverlässigkeit und Flexibilität leiden.
 

Sofern vorhanden, findet hier auch die Überprüfung einer zum Modell erstellten Dokumentation und deren Konsistenz zum tatsächlichen Modell statt. Eine solche Dokumentation wird typischerweise erstellt, wenn ein Modell in Zukunft mehrmals verwendet und dabei von unterschiedlichen Nutzern bedient werden soll. Sie enthält für gewöhnlich die Intention des Modells, eine Beschreibung der Eingabeparameter sowie eine Erklärung der grundlegenden Berechnungslogik.
 

Logische Überprüfung:

Hierbei tritt insbesondere die Überprüfung der Ergebnisse des Modells und seiner Berechnungen in den Vordergrund. Es umfasst zum einen die semantische Deutung der Ergebnisse und deren Einordnung in den Gesamtkontext des originären Modellzwecks. Zum anderen wird überprüft, ob sich Änderungen der Annahmen wie erwartet in den Ergebnissen auswirken oder ob auftretende Unplausibilitäten in den Ergebnissen einen Hinweis auf eine falsche Modell- bzw. Berechnungslogik geben.
 
Darüber hinaus kann hier auch eine inhaltliche Überprüfung der innerhalb des Modells getroffenen Annahmen auf ihre Plausibilität durchgeführt werden. Das umfasst bspw. die fachliche Überprüfung von komplexen Accounting-Themen, Benchmarking von Wachstumsraten mit Marktschätzungen oder von Zinssätzen mit aktuellen Kapitalmarktdaten.
 

Durchführung eines strukturierten Model Reviews minimiert das Risiko für Fehl­entscheidungen

Je nach Komplexität des zu untersuchenden Modells benötigt ein erfahrener Model Reviewer zwischen wenigen Stunden bis hin zu einigen Tagen für eine vollumfängliche Überprüfung. Im Gesamtkontext einer Unter­nehmens­transaktion stellt das einen geringen Aufwand dar. Der Model Review bietet allen Beteiligten einen hohen Nutzen sowie Zuwachs an Sicherheit und bewahrt sie oftmals vor teuren Fehlentscheidungen, da mögliche Fehler in der Beurteilung oder Bewertung des Transaktionsobjekts durch die strukturierte Vor­gehens­weise auf ein absolutes Minimum reduziert werden können.

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