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Steuerrechtliche Änderungen zum 1. Januar 2022 – Übersicht

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veröffentlicht am 11. Januar 2022 | Lesedauer ca. 6 Minuten
 

Auch 2022 sind zum Jahresbeginn wieder steuerrechtlich relevante Änderungen in Kraft getreten. Die wichtigsten haben wir hier für Sie aufgelistet.

 Einkommensteuertarif

  • Grundfreibetrag steigt von 9.744 auf 9.984 Euro (19.968 Euro für Ehegatten und eingetragene Lebens­part­nerschaften)
  • Anpassung des Verlaufs des linear-progressiven Steuertarifs (Anhebung der Eckwerte des Steuertarifs um 1,17 Prozent; Grenzsteuersatz von 42 Prozent ab 58.597 Euro bzw. bei Ehegatten/Lebenspartnerschaften ab 117.194 Euro; Reichensteuer (Grenzsteuersatz 45 Prozent) ab 277.826 Euro bzw. bei Ehegatten/Lebens­part­nerschaften ab 555.652 Euro)

 Außergewöhnliche Belastungen

Der Höchstbetrag für die Berücksichtigung von Unterhaltsaufwendungen steigt auf 9.984 Euro (vorher: 9.744 Euro).

 Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Die Befristung der Erhöhung des Alleinerziehendenentlastungsbetrags um 2.100 Euro auf 4.008 Euro auf die Veranlagungszeiträume 2020 und 2021 wurde aufgehoben. Die Entlastung für Alleinerziehende von 4.008 Euro gilt nun unbefristet und damit auch für den Veranlagungszeitraum 2022.    

 Steuerfreie Sachbezüge

Die steuerfreie Sachbezugsgrenze erhöht sich von 44 auf 50 Euro monatlich. 

 Mindestlohn

Der gesetzliche Mindestlohn erhöht sich ab 1. Januar 2022 von 9,60 Euro auf 9,82 Euro brutto je Zeitstunde. Zum 1. Juli 2022 erfolgt eine weitere Erhöhung auf 10,45 Euro brutto je Zeitstunde.

 Lohnsteuer

Änderungen bei den Sachbezugswerten

  • Die Sachbezugswerte für Verpflegung erhöhen sich auf 270 Euro monatlich bzw. auf 1,87 Euro für ein Früh­stück und 3,57 Euro für ein Mittag- oder Abendessen. Für Vollverpflegung (Frühstück, Mittag- und Abend­essen) beträgt der Wert 9,00 Euro.
  • Die Sachbezugswerte für Unterkunft erhöhen sich auf 241 Euro/Monat (bei Unbilligkeit alternativer Ansatz mit dem ortsüblichen Mietpreis), der kalendertägliche Wert beträgt ab dem 1. Januar 2022 8,03 Euro; für eine Wohnung wird die ortsübliche Miete angesetzt (bei außergewöhnlichen Schwierigkeiten bei Feststellung der ortsüblichen Miete kann die Wohnung mit 4,23 Euro/qm und bei einfacher Ausstattung mit 3,46 Euro/qm angesetzt werden).

 Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung

Die Beitragsbemessungsgrenzen in der Rentenversicherung ändern sich für 2022 auf folgende Werte: Jahreswert, in Klammern Monatswert

  • Allgemeine Rentenversicherung West: 84.600 Euro (7.050 Euro)
  • Allgemeine Rentenversicherung Ost: 81.000 Euro (6.750 Euro)
  • Knappschaftliche Rentenversicherung West: 103.800 Euro (8.650 Euro)
  • Knappschaftliche Rentenversicherung Ost: 100.200 Euro (8.350 Euro)

 

Die Beitragsbemessungsgrenzen in der Arbeitslosenversicherung entsprechen den Werten für die allgemeine Rentenversicherung.
 
Die Jahresarbeitsentgeltgrenze für den Wechsel in die private Krankenversicherung beträgt für 2022 unverändert 64.350 Euro.

 

Die Beitragsbemessungsgrenze für den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bleibt für 2022 unverändert bei 58.050 Euro.

 Arbeitslosenversicherung

Der in der Zeit vom 1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2021 weggefallene Arbeitgeberanteil zur Arbeits­lo­sen­versicherung ab Erreichen der Regelaltersgrenze fällt ab 1. Januar 2022 wieder an. 

 Pflegeversicherung

Der Beitragssatz zur gesetzlichen Pflegeversicherung bleibt bei 3,05 Prozent des Bruttolohns. Für Kinderlose wird der Zuschlag um 0,1 Punkte auf 0,35 Prozentpunkte erhöht, damit beträgt der Beitragssatz für Kinderlose 3,4 Prozent.

 Corona-Sonderzahlungen

  • Erneute Verlängerung der Zahlungsfrist für die Steuerbefreiung von Corona-Sonderzahlungen bis zu einem Betrag von 1.500 Euro, auch als Corona-Bonus bezeichnet, jetzt bis 31. März 2022 (bisher bis 30. Juni 2021).  
  • Es handelt sich lediglich um eine Streckung des Zahlungszeitraums, es sollen keine über die bisherige Summe von 1.500 Euro hinausgehenden Zahlungen begünstigt werden.

 Elektrofahrzeuge

Wird ein Elektrofahrzeug oder extern aufladbares Hybridelektrofahrzeug zwischen 1. Januar 2022 und 31. De­zember 2024 angeschafft oder geleast, ist es für die Halbierung der Bemessungsgrundlage bei Dienstwagen­überlassung auf 0,5 Prozent statt 1 Prozent des Listenpreises erforderlich, dass die Emissionswerte max. 50g CO2/km erreichen oder die elektrische Reichweite mind. 60 km beträgt (bei Anschaffung bis 31. Dezember 2021 genügte eine elektrische Reichweite von 40 km oder ein CO2-Ausstoß von max. 50g CO2/km).
 
Hinweis: Im Koalitionsvertrag ist vorgesehen, die elektrische Mindestreichweite bereits ab August 2023 auf 80 km anzuheben.
 
Der Listenpreis ist nur zu einem Viertel anzusetzen, wenn das Kraftfahrzeug keine Kohlendioxidemission je gefahrenen Kilometer hat und der Bruttolistenpreis des Kraftfahrzeugs nicht mehr als 60.000 Euro beträgt.

 Homeoffice

Nach aktuellem Rechtsstand ist die Homeoffice-Pauschale auf den Zeitraum 1. Januar 2020 bis 31. Dezember 2021 befristet. Sie würde damit für das Jahr 2022 wieder wegfallen. Nach den Plänen der neuen Bundes­regierung soll es allerdings eine Verlängerung der Homeoffice-Pauschale für 2022 geben (Seite 165 Koalitions­vertrag). Sie könnte dann bis 31. Dezember 2022 genutzt werden.
 
Bisherige Regelung (2020/2021):

  • Homeoffice-Pauschale von 5 Euro pro Kalendertag, an dem die betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausgeübt wird.   
  • Insgesamt können im Rahmen der Homeoffice-Pauschale höchstens 600 Euro im Jahr angesetzt werden, d.h. es werden max. 120 Tage Homeoffice im Jahr gefördert.   
  • Die Homeoffice-Pauschale kann in Anspruch genommen werden, wenn kein häusliches Arbeitszimmer vorliegt oder auf den Abzug der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer verzichtet wird.   

 Umsatzsteuer

Durchschnittssatzbesteuerte Land- und Forstwirte:

  • Einschränkung des Anwendungsbereichs der Durchschnittssatzbesteuerung auf Land- und Forstwirte, deren Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr nicht höher als 600.000 Euro war. Erstmalige Anwendung auf Umsätze, die nach dem 31. Dezember 2021 bewirkt werden.
  • An die Stelle des bisherigen allgemeinen Durchschnittssteuersatzes von 10,7 Prozent (Steuersatz für Ausgangsumsätze sowie pauschaler Vorsteuersatz) tritt für 2022 ein Durchschnittssteuersatz von 9,5 Prozent. In Zukunft findet eine jährliche Überprüfung der Höhe des Steuersatzes und erforderlichenfalls eine gesetzliche Neufestlegung statt.

 

Reiselseitungen:

  • Inkrafttreten der Abschaffung der Gruppen- und Gesamtmargenbildung ab 1. Januar 2022.

 Personengesellschaften

Optionsmodell:

  • Personenhandelsgesellschaften und Partnerschaftsgesellschaften haben die Möglichkeit, mit Wirkung zum Beginn des nächsten Wirtschaftsjahres, frühestens zum 1. Januar 2022, zur Körperschaftbesteuerung zu optieren. Zivilrechtlich ändert sich dadurch nichts.   
  • Die Option muss spätestens einen Monat vor Beginn des Wirtschaftsjahres ausgeübt werden, d.h. der Antrag muss dem Finanzamt vorliegen. Von der Option werden nur Ertragsteuern erfasst. Hier wird die Personenhandels- oder Partnerschaftsgesellschaft dann wie eine Kapitalgesellschaft behandelt, ihre Gesellschafter wie nicht persönlich haftende Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft.   
  • Die Optionsausübung wird steuerlich einem Formwechsel gleichgestellt. Eine Rückoption ist möglich, auch diese wird wie ein (erneuter) Formwechsel behandelt.

 

Zu weiteren Einzelheiten und Aspekten der Option zur Körperschaftsteuer siehe auch:

 Grundsteuer

Der Stichtag für die erste Hauptfeststellung zur Ermittlung des Grundsteuerwerts nach der Grundsteuerreform ist am 1. Januar 2022. Der Grundsteuerwert löst ab 2025 den Einheitswert bei der Grundsteuerberechnung ab. Im Laufe des Jahres 2022 werden die Finanzämter Grundbesitzer zur Abgabe einer Grundsteuererklärung auffordern. Voraussichtliche Abgabefrist dürfte Ende Oktober 2022 sein. Die elektronische Abgabe der Feststellungserklärung soll ab 1. Juli 2022 möglich sein.
 
Die Grundsteuerwerte werden künftig im 7-Jahres-Turnus neu festgestellt.

 Steueroasen

Das Steueroasenabwehrgesetz ist am 1. Juli 2021 in Kraft getreten. Damit finden ab 1. Januar 2022 auf die in der Steueroasen-Abwehrverordnung vom 23. Dezember 2021 genannten nicht kooperativen Steuerhoheits­gebiete   

  • Amerikanisch-Samoa,
  • Fidschi,
  • Guam,
  • Palau,
  • Panama,
  • Samoa,
  • Trinidad und Tobago,
  • die Amerikanischen Jungferninseln und
  • Vanuatu
     

folgende Abwehrmaßnahmen und Mitwirkungspflichten Anwendung:

  • Verschärfte Hinzurechnungsbesteuerung: Hinzurechnungsbesteuerung auch bei aktiven Tätigkeiten, wenn eine Zwischengesellschaft in einem nicht kooperativen Steuerhoheitsgebiet ansässig ist. Ausnahme: Die Besteuerung wäre ohne die verschärfte Hinzurechnungsbesteuerung höher. Für in einem nicht kooperativen Steuerhoheitsgebiet gelegene Betriebsstätten gilt ebenfalls eine verschärfte Regelung.
  • Quellensteuermaßnahmen: Erhebung einer Abzugssteuer unter Erweiterung der beschränkten Einkommen­steuerpflicht auf Einkünfte aus Finanzierungsbeziehungen, Versicherungs- und Rückversicherungs­leis­tungen, der Erbringung von sonstigen Dienstleistungen und dem Handel, soweit sie als Aufwendungen oder Werbungskosten bei einem anderen, unbeschränkt Steuerpflichtigen im Rahmen einer inländischen Veranlagung zu berücksichtigen wären. Der Abzugssteuersatz beträgt 15 Prozent zzgl. Solidaritätszuschlag.
  • Gesteigerte Mitwirkungspflichten für Steuerpflichtige, die Geschäftsbeziehungen in nicht kooperative Steuerhoheitsgebiete unterhalten.

 
Lesen Sie dazu mehr in unserem Beitrag:
Gesetz zur Abwehr von Steuervermeidung und unfairem Steuerwettbewerb sowie zur Änderung weiterer Gesetze »

 Verluste

Die Höchstbetragsgrenzen beim einkommensteuerlichen Verlustrücktrag betragen ab 2022 wieder 1 Mio. Euro bei Einzelveranlagung bzw. 2 Mio. Euro bei Zusammenveranlagung. Als Corona-Maßnahme waren die Höchstbetragsgrenzen für die Veranlagungszeiträume 2020 und 2021 auf 10 bzw. 20 Mio. Euro angehoben worden.
 
Bundesfinanzminister Lindner hat aber ein „Corona-Steuergesetz“ für Unternehmen angekündigt, wonach Verluste aus den Jahren 2022 und 2023 mit Gewinnen aus den Vorjahren besser verrechnet werden können sollen. 

 Investitionsabzugsbetrag

Die Investitionsfristen für in den Jahren 2017 und 2018 gebildete Investitionsabzugsbeträge wurden als Corona-Maßnahme (erneut) verlängert. Sie enden nun erst im Jahr 2022. Für später gebildete Investitionsabzugsbeträge gilt die reguläre dreijährige Frist. 

 Reinvestitionsrücklage

Die Reinvestitionsfristen für die sogenannte „6b-Rücklage“ wurden coronabedingt nochmals erweitert. Für Reinvestitionsrücklagen, die im Zeitraum vom 1. März 2020 bis 31. Dezember 2021 am Ende des Wirtschafts­jahres noch vorhanden sind und aufzulösen wären, verlängert sich die Reinvestitionsfrist bis zum Ende des in 2022 endenden Wirtschaftsjahres.

 Abschreibungen

Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Möglichkeit einer degressiven Abschreibung bei beweglichen Wirt­schaftsgütern, die in den Jahren 2020 und 2021 angeschafft oder hergestellt wurden, eingeführt. Für beweg­liche Wirtschaftsgüter, die in 2022 angeschafft oder hergestellt wurden, gilt dies nicht mehr. Es sind wieder die vor 2020 gültigen Regelungen anzuwenden.
 
Im Koalitionsvertrag wurde jedoch eine „Superabschreibung“ für Investitionen in den Klimaschutz und in die Digitalisierung angekündigt. 

 Organschaft

Bei der körperschaftsteuerlichen Organschaft ersetzt die sog. Einlagelösung die Ausgleichsposten für Mehr- und Minderabführungen. Bei Minderabführungen kommt es nun zu einer Einlage des Organträgers bei der Organgesellschaft, bei Mehrabführungen zu einer Einlagenrückgewähr.

 Umwandlung von Körperschaften

Die für die Umwandlung von Körperschaften maßgeblichen Teile des Umwandlungssteuergesetzes werden globalisiert. Waren bisher grundsätzlich nur Inlandsfälle und Gesellschaften im EWR erfasst sowie die steuerneutrale Verschmelzung von Drittstaaten-Kapitalgesellschaften desselben Staates, so sind jetzt neben Verschmelzungen auch Spaltungen und Formwechsel von Körperschaften mit Bezug zu Drittstaaten steuerneutral möglich. Folgendes ändert sich für Umwandlungen, deren steuerlicher Übertragungsstichtag nach dem 31. Dezember 2021 liegt:

  • Die Anforderung, dass die Verschmelzung zwischen Körperschaften desselben Drittstaats stattfinden muss, entfällt.   
  • Streichung der zwingenden Liquidationsbesteuerung bei Wegzügen von Körperschaften in Drittstaaten.
  • Erweiterung des persönlichen Anwendungsbereichs des Umwandlungssteuergesetzes, insbesondere auf Verschmelzungen, Spaltungen (ohne Ausgliederung) und Formwechsel von Körperschaften unter Beteiligung von Rechtsträgern aus Drittstaaten.

 Währungskursschwankungen/Gesellschafterdarlehen

Verluste aus Währungskursschwankungen in Zusammenhang mit Gesellschafterdarlehen können nun als Betriebsausgaben abgezogen werden. 

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