Das Trinkgeld: Steuerliche Behandlung beim Empfänger und beim Trinkgeldgeber

zuletzt aktualisiert am 13. Juni 2019 | Lesedauer ca. 4 Minuten

von Melanie Erhard

 

Erhalten Arbeitnehmer und Unternehmer von Kunden oder Gästen Trinkgeld, könnte die steuerliche Behandlung nicht unterschiedlicher sein. Beim Arbeitnehmer ist das Trinkgeld unter gewissen Voraussetzungen steuerfrei. Erhält der Unternehmer selbst Trinkgeld, wird die Zahlung stets als Betriebseinnahme berücksichtigt.

     

 

 

Empfänger ist ein Arbeitnehmer

Zum Arbeitslohn gehören alle Vorteile, die für eine Beschäftigung gezahlt werden (§ 19 EStG). Hierzu zählen auch Zuwendungen eines Dritten, z.B. in Form von Trinkgeld. Seit 2002 sind jedoch Trinkgelder an Arbeitnehmer unter bestimmten Voraussetzungen ohne betragsmäßige Begrenzung von der Einkommen­steuer befreit. Das ist in § 3 Nr. 51 EStG geregelt. Es wird zwischen klassischem Arbeitslohn und Trinkgeld unterschieden. Steuerfrei ist Trinkgeld nur, wenn:

 

…es anlässlich einer Arbeitsleistung von Dritten bezahlt wird

Trinkgeld ist ein Ausdruck der Zufriedenheit mit der Qualität der Arbeitsleistung, die ausschließlich an die Person des Kellners, Taxifahrers, Friseurs etc. gebunden ist. Dabei besteht nur dann Steuerfreiheit, wenn der Kunde oder Gast das Geld direkt dem Mitarbeiter gibt. Reicht hingegen der Arbeitgeber Trinkgeld an seinen Angestellten weiter, geht die persönliche Beziehung zwischen Trinkgeldgeber und Empfänger verloren und es besteht Steuer- und Sozialversicherungspflicht. Ein weiterer Killer der Steuerfreiheit ist der Trinkgeldpool. Hier werden die empfangenen Trinkgelder gesammelt und auf die Angestellten verteilt. Die persönliche Beziehung zwischen Angestelltem und Trinkgeldgeber geht auch hier verloren, sodass erhaltene Trinkgelder ebenfalls lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig werden.

 

…die Zahlung freiwillig und ohne Rechtsanspruch erbracht wird

Sobald Trinkgelder nicht freiwillig gezahlt werden, unterliegen die Zahlungen in voller Höhe der Lohnsteuer- und Sozialversicherungspflicht. Trinkgelder, auf die der Angestellte einen Rechtsanspruch hat, sind z.B. Bedienungszuschläge in Hotels und Gaststätten oder tarifliche Metergelder beim Möbeltransport. Um die Steuerfreiheit von Trinkgeldern in Gaststätten zu gewähren, sollten also Hinweise zu z.B. 10-15 Prozent Bedienungsentgelt – das damit nicht mehr freiwillig ist – aus der Speisekarte gelöscht werden.

 

…es zusätzlich zu dem Betrag gegeben wird, der für diese Arbeitsleistung zu zahlen ist

Weitere Voraussetzung des § 3 Nr. 51 EStG ist, dass Trinkgeld eine zusätzliche Vergütung zum vom Arbeitgeber geschuldeten Arbeitslohn darstellt. Damit steht der Trinkgeldempfänger in einer doppelten Leistungsbeziehung und erhält auch doppeltes Entgelt, nämlich den Arbeitslohn vom Arbeitgeber für die erbrachte Arbeitsleistung und das Trinkgeld vom Kunden oder Gast als Honorierung für die zusätzlich erbrachte Leistung.

 

Empfänger ist ein Unternehmer

Die Steuerfreiheit von Trinkgeldern setzt voraus, dass die Zahlungen an einen Arbeitnehmer erfolgen. Unternehmer, die von ihren Kunden oder Gästen Trinkgelder empfangen, müssen sie stets als Betriebseinnahmen in ihren Büchern erfassen. Ist ein Kellner oder Taxifahrer also nicht angestellt, sondern selbständig tätig, entfällt die Steuerfreiheit.

 

 

 

 

 

 

 

 

   

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