Konjunkturausblick für 2016 – Verhaltener Optimismus gerechtfertigt

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Dr. Klaus Dieter Bauknecht kommentiert 

Der Ausblick für die Weltkonjunktur 2016 wird v.a. von der Sorge um die chinesische Wirtschaftsentwicklung dominiert. Wird das dortige Wachstum weiterhin moderat abnehmen oder steht die Weltwirtschaft vor einem chinesischen Konjunktureinbruch, der insbesondere export- und industriestarke Volkswirtschaften wie die deutsche belasten könnte?
 
Die Sorge hat sich auch auf den Rohstoffmärkten verbreitet, auf denen nicht nur der Ölpreis, sondern auch viele andere Industrierohstoffpreise unter Druck geraten sind. Von dem Rohstoffpreisverfall mag der deutsche Konsument aktuell aufgrund einer niedrigen Inflation profitieren, vielen Schwellenländern hat die Entwicklung allerdings deutliche Wachstumsrückgänge sowie einen stark abwertenden Devisenkurs beschert. Dennoch ist für 2016 verhaltener Optimismus gerechtfertigt.
 
Zum einen, weil die chinesische Wirtschaft keinen kurzfristigen Einbruch erleben wird, denn sie konnte im 3. Quartal 2015 ein ordentliches Wachstum hinlegen. Konjunkturprogramme stützen den Ausblick für 2016. Zum anderen zeigen die Konjunkturdaten anderer wichtiger Wirtschaftsregionen, wie der Euro-Zone und der USA, Erholungs- bzw.Stabilisierungstendenzen. Der Wachstumsausblick für die Euro-Zone bleibt dank anhaltend expansiver Geldpolitik und relativ schwachem Euro leicht positiv. Wachstum und niedrige Zinsen erleichtern zudem die Schuldentragfähigkeit, insbesondere der südeuropäischen Staaten. Das verbessert den strukturellen Ausblick für die Euro-Zone und lässt die Sorge über ihren Erhalt abnehmen. Auf der anderen Seite des Atlantiks ist die Konjunkturentwicklung ebenfalls grundsätzlich positiv, auch wenn die USA an Wachstumsraten vergangener Jahrzehnte kaum anknüpfen können wird. Deshalb wird die Notenbank Fed weiterhin zögerlich handeln und 2016 nur überschaubare Zinsanhebungen vornehmen. Doch die synchrone wirtschaftliche Erholung der Euro-Zone und der USA stellt eine wichtige Säule der globalen Wachstumserwartung für 2016 dar und könnte eine moderate Abkühlung in China durchaus kompensieren.
 
Eine stabiler werdende Weltkonjunktur sollte die Rohstoffpreise auf Sicht stützen und den Schwellenländern, auch dank einer deutlichen Abwertung ihrer Devisenkurse, erneut zu einem positiven Wachstumspfad verhelfen. Allerdings ist aufgrund der hohen Überkapazitäten auf vielen Rohstoffmärkten eine kurzfristige Preiskorrektur nicht zu erwarten. Deshalb ist insgesamt mit einer tendenziell ansteigenden Inflationsdynamik zu rechnen. Die Zielgröße der Europäischen Zentralbank von 2 Prozent sollte allerdings erst mittelfristig nachhaltig erreicht werden. Exporte und der private
Konsum sollten auch 2016 die Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft sein, während sich das Investitionsverhalten nur tendenziell verbessern dürfte. Neben dem schwachen Euro und einem guten Arbeitsmarkt wird auch die zunehmende Anzahl an Flüchtlingen kurzfristig positive – wenn auch überschaubare – Wachstumsimpulse liefern. 2016 sollte sich das im privaten und im staatlichen Konsum niederschlagen.

Dr. Klaus Dieter Bauknecht

Dr. Klaus Dieter Bauknecht ist seit April 2015 Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG, bei der er zuvor viele Jahre das Research für den Kapital­marktbereich sowie strukturierte Produkte leitete. Vor dieser Zeit war er bei verschiedenen Investment­banken in Johannesburg als Volkswirt und Top-Down Equity-Analyst tätig. Begonnen hat Dr. Bauknecht seine Karriere im südafrikanischen Finanzministerium. Aktuell ist er Gastdozent an der Nelson Mandela University in Südafrika.
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