Malaysia: Robuster Standort im Herzen Südostasiens

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 zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2019 | Lesedauer ca. 4 Minuten


Durch das Südchinesische Meer geteilt, bietet die ehemalige britische Kolonie Malaysia eine äußerst stabile und schnellwachsende Wirtschaft. In der Vergangenheit hat sich Malaysia als Industriestandort bewährt, sei für traditionellere Anwendungen oder auch für digitale Industrie und High Tech-Branche. Was Malaysia besonders attraktiv für Investoren macht, sind hochqualifizierte Arbeitskräfte bei zeitgleich wettbewerbsfähigem Lohnkostenniveau, die strategisch günstige Lage Malaysias inmitten einer der wichtigsten Seehandelsrouten, zahlreiche Bodenschätze und die ausgesprochen unternehmerfreundliche Regierung inklusive eines gut entwickelten, verlässlichen Rechtssystems, das Investoren die notwendige Planungssicherheit gewährleistet.



ASEAN ist als Investitionsstandort in aller Munde – Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in Malaysia ein?

Malaysias Wirtschaft erweist sich auch bei global eher unsicheren, konjunkturellen Aussichten als ausgesprochen robust. Die Wachstumsprognosen für 2019 wurden nach zuvor vorsichtigeren Schätzungen wieder leicht angehoben, sodass das „Malaysian Institute of Economic Research” (MIER) und das „Department of Statistics” für 2019 derzeit von einem realen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 4,7 Prozent ausgehen. Damit hält Malaysia das stabile Wachstumsniveau des Vorjahres.

Die siebtgrößte Volkswirtschaft ASEANs punktet mit einer sehr gut ausgebauten und primär auf die Bewältigung von Handelsströmen ausgerichteten Infrastruktur. Zudem ist das Land ein bekannter und bewährter Industriestandort: sowohl im High Tech-Bereich, als auch bei eher traditionellen Anwendungen. Die Bevölkerung Malaysias verfügt über einen großen Anteil an jungen und motivierten, englischsprachigen Arbeitskräften bei einem gleichzeitig wettbewerbsfähigen Arbeitskostenniveau.

Das Land verfügt über sehr investorenfreundliche Rahmenbedingungen, was durch das positive „Ease of Doing Business”-Ranking der Weltbank belegt wird. Das gut entwickelte und vergleichbar verlässliche Rechtssystem ermöglicht Planungssicherheit.

Das Wachstum des BIP wird v.a. durch den privaten Konsum und die robuste Binnenkonjunktur Malaysias getragen. Der Dienstleistungssektor und – etwas schwächer – auch die verarbeitende Industrie expandieren. Der daraus resultierende Aufschwung am Arbeitsmarkt trägt weiterhin zur positiven Entwicklung des privaten Konsums bei, für den 2020 ein Wachstum um beachtliche 6 bis 7 Prozent erwartet wird.


Werfen wir einen Blick auf die Chancen – Welche Branchen profitieren aktuell und welche Trends zeichnen sich bereits für die kommenden Jahre ab?

Malaysia hat erfolgreich den Sprung von einem Agrar- zu einem diversifizierten Industriestandort gemeistert. Obgleich Öl- und Gas sowie die Palmölindustrie weiterhin eine wichtige Rolle spielen, haben sich insbesondere die elektronische und elektrotechnische Industrie sowie der Maschinenbau zu einem wichtigen Standbein entwickelt. Die digitale Industrie ist ganz entschieden auf dem Vormarsch mit allem, was dazugehört – e-Commerce, Cybersecurity, e-Mobilität, e-Banking etc.

Insbesondere der Technologiesektor wird nach wie vor von der Regierung gefördert, indem anspruchsvolle Technologien und Produktionssysteme steuerlich subventioniert werden. Malaysias Regierung konzentriert sich v.a. auf spezialisierte Maschinen- und Materialhandhabung, Robotik und Automatisierung sowie Verpackungsmaterialien, um den verarbeitenden Sektor in eine hochwertige High-Tech Produktion zu wandeln.

Nicht zu vernachlässigen ist ebenfalls die sich schnell entwickelnde Logistik-Branche. Sie profitiert von der strategisch günstigen Lage des Landes zwischen Ostasien, Australien und Europa. In Port Klang werden mittlerweile mehr Container umgeschlagen als in Antwerpen; in Tanjung Pelepas mehr als in Hamburg.


Wie entwickeln sich die Aussichten für deutsche Unternehmen vor dem Hintergrund der bereits abgeschlossenen bzw. zur Zeit in Verhandlung stehenden bi- und multilateralen Freihandelsabkommen?

Malaysia ist eine sehr offene Volkswirtschaft, die auf freien Welthandel angewiesen ist. Derzeit profitiert Malaysia teilweise von dem Handelsstreit zwischen den USA und China. Einige Unternehmen, die in China produzieren, haben begonnen Teile ihrer Produktion auch nach Malaysia zu verlagern, um so den zusätzlichen Handelstarifen zu entgehen. Diversifizierung der Supply Chain ist das Schlagwort der Stunde.

Als Mitglied der ASEAN-Gemeinschaft hat Malaysia Zugang zu zahlreichen Freihandelsabkommen mit diversen Asien-Pazifik-Staaten, darunter China, Japan, Korea, Indien, Australien und Neuseeland. Zwar ist ASEAN nicht mit dem Binnenmarkt der EU zu vergleichen, doch gibt es innerhalb der Staatengemeinschaft durchaus nennenswerte Erleichterungen im Bereich des Waren- und Dienstleistungsverkehrs. So kann Malaysia für ausländische Unternehmen als Sprungbrett in den gesamten ASEAN Markt dienen.

Im Oktober 2010 begannen die bilateralen Verhandlungen zu einem EU-Malaysia Freihandelsabkommen. Seit der 7. Verhandlungsrunde im Jahr 2012 ruhen die Verhandlungen auf Wunsch von Malaysia. Die EU-Kommission bemüht sich um deren Wiederaufnahme.


Das Thema Datenschutz ist in Europa sehr hoch aufgehängt – Wo steht Malaysia im Hinblick auf die Implementierung und Umsetzung der GDPR?

Malaysia verfügt über ein Datenschutzgesetz (Personal Data Protection Act, kurz: PDPA) nach dem Vorbild Singapurs. Obwohl das Gesetz an sich gute Standards implementiert, fehlt es noch in diesem Bereich an einer wirksamen Durchsetzung der Vorschriften. Datenschutz ist auch bei der Bevölkerung und bei Unternehmen als Konzept vergleichsweise wenig bekannt.

Die GDPR fungierte jedoch als eine Anregung in dem Bereich: Es wird zurzeit lebhaft diskutiert, wie die Bestimmungen des PDPA und deren praktische Umsetzung verbessert und an international Standards angepasst werden könnten.

Interessant ist die GDPR auch für Unternehmen, die aus der EU stammenden Daten verarbeiten, z.B. weil sie Mitglied einer europäischen Unternehmensgruppe sind. In dem Bereich können zahlreiche gruppeninterne Compliance-Programme beobachtet werden, die umgesetzt worden sind, oder noch umgesetzt werden.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Malaysia weiterentwickeln? Können Sie uns einen kurzen Ausblick auf das Jahr 2020 geben?

Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die positive Entwicklung auch im Jahr 2020 fortsetzten wird. Momentan wird von einem Zuwachs des BIP in der Größenordnung von 4,5 bis 4,6 Prozent ausgegangen. Getragen wird das Wachstum durch den privaten Konsum (vsl. Zuwachs 6,9 Prozent) und den Investitionen (Zuwachs vsl. 2,1 Prozent). Trotz der voraussagten Abkühlung der Weltwirtschaft in 2020, sollen die malaysischen Exporte um 1 Prozent wachsen. Es wird erwartet, dass sich der Trend zur Diversifizierung der Supply Chain fortsetzt, und dass Malaysia ein Nutznießer sein wird.

In 2020, aber auch mittelfristig, wird Malaysia von der politischen Stabilität des Landes und den traditionell guten Rahmenbedingungen für ausländische Investitionen aber auch die Wirtschaft allgemein profitieren.


Fazit

Auch in Zeiten global eher unsicherer konjunktureller Aussichten erweist sich Malaysias Wirtschaft dank stabiler politischer und sozialer Rahmenbedingungen, dynamischer Märkte und einer liberalen und offenen Marktwirtschaft als robuster Standort im Herzen Südostasiens. Für ausländische Investoren bieten sich dank einer weltoffenen und unternehmerfreundlichen Regierung zahlreiche Investitionsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Branchen. Im starken ASEAN-Umfeld kann Malaysia v.a. mit hochqualifizierten Fachkräften bei wettbewerbsfähigen Lohnkosten brillieren.

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