Kapitalmarkt aktuell – Update für Unternehmer

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​Dr. Oliver Schmitt antwortet

 

Wie kapitalmarktorientiert sind deutsche Unternehmen im europäischen Vergleich?

Grundsätzlich ist in Deutschland nach wie vor der klassische Bankkredit das bevorzugte Finanzinstrument vieler Unternehmen. Jedoch haben die letzten Jahre gezeigt, dass auch deutsche (Familien-)Unternehmen verstärkt nach Alternativen zum Bankkredit suchen und sich damit dem Kapitalmarkt öffnen  –  ein Beispiel ist die Unternehmensanleihe. Hierbei wird dann auch der Weg an die Börse gesucht.
 

Auch in vielen anderen europäischen Ländern dominiert noch die Bankkreditfinanzierung. Mit der Kapitalmarktunion strebt die EU jedoch zu einer Vertiefung der Kapitalmärkte in den Unionsmitgliedstaaten. Es wird damit gesamteuropäisch nach einer Lösung gesucht, die Kapitalmarktorientierung zu stärken und damit die Vormachtstellung der klassischen Kreditfinanzierung zu beenden. Die Anpassung an die Strukturen in den USA erfolgt, insbesondere um wettbewerbsfähig zu bleiben und die Abhängigkeit von den Banken zu verringern.
    

Welche Aspekte sollten vor dem Schritt auf das Parkett abgewogen werden?

Wie bei jeder unternehmerischen Entscheidung sind Vor- und Nachteile abzuwägen. Auf der einen Seite stehen die Stärkung der Eigenkapitalquote beim Börsengang oder einer Kapitalerhöhung. Der Kapitalmarkt schafft den Zugang zu weiteren Investoren, was eine Steigerung der Unabhängigkeit und Flexibilität bei der Unternehmensfinanzierung darstellt.
 

Dagegen stehen auf der anderen Seite die manchmal schwer zu kalkulierenden Effekte insbesondere eines Börsengangs. Das Umfeld des Unternehmens ändert sich von einem privaten in ein öffentliches, da die Aktionäre als Anleger Anspruch auf erhöhte Transparenz haben. Die Aufmerksamkeit für das Unternehmen wird erhöht, was auch positive Effekte haben kann, die es zu nutzen gilt. Allerdings verlangt der deutsche und europäische Gesetzgeber von börsennotierten Unternehmen eine laufende und wiederkehrende Berichterstattung gegenüber dem Kapitalmarkt. Das börsennotierte Unternehmen und die Mitarbeiter müssen darauf vorbereitet sein, denn die intensivere Berichterstattung erfordert einen höheren Zeitaufwand. Je nach Börsensegment sind die Transparenzpflichten unterschiedlich umfangreich ausgestaltet. Über das jeweilige Segment, d.h. Freiverkehr oder regulierter Markt, entscheidet am Ende das Unternehmen selbst.
 

Was sind die aktuellen Herausforderungen für Unternehmen, die am Kapitalmarkt vertreten sind?

Herausforderungen entstehen insbesondere im Bereich Compliance. Unternehmen am Kapitalmarkt sehen sich auch durch die aktuelle Rechtsprechung oder neue Gesetze bzw. Regelwerke immer neuen Anforderungen ausgesetzt, die beachtet werden müssen, um unternehmerische Sorgfaltspflichten einzuhalten. Ein aktuelles Beispiel ist die Aktienrechtsnovelle 2016 oder auch die für alle EU-Mitgliedstaaten geltende Marktmissbrauchsversordnung, nach der künftig ab Juli 2016 auch für Freiverkehrsemittenten die sog. „Directors‘ Dealings”-Mitteilungspflichten sowie die Pflicht zum Führen von Insiderverzeichnissen und die Verpflichtung zur Ad-hoc-Publizität gelten.
 

Welche Rolle spielt die Internationalisierung von Unternehmen dabei?

Gerade der Zugang zum Kapitalmarkt erhöht die Visibilität im Markt über Deutschland hinaus, da die Kapitalmärkte nicht mehr ausschließlich national geprägt sind, sondern gerade auch Investoren aus dem Ausland am und im deutschen Kapitalmarkt investieren. Die erfolgreiche Platzierung einer Kapitalmaßnahme durch ein börsennotiertes Unternehmen schafft auch die Voraussetzung für weiteres Wachstum, sowohl in Deutschland als auch außerhalb.
 

Wie wird sich die Anzahl der deutschen kapitalmarktorientierten Unternehmen entwickeln?

Ich gehe davon aus, dass die Anzahl der deutschen kapitalmarktorientierten Unternehmen mittelfristig wieder steigen wird, da es grundsätzlich keine Alternative zum Kapitalmarkt gibt, wenn dauerhaft ein breites und beständiges Investorenumfeld für Eigenkapital gesucht wird und sich die momentane Niedrigzinsphase wieder ändert.

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Dr. Oliver Schmitt

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