Ein Blick über den Tellerrand

Auch wenn sich auf Geschäftsreisen oft nur wenig Gelegenheit für Sightseeing oder das Kennenlernen der örtlichen Kultur bietet, kommt man mit einem besonderen Kulturgut i.d.R. ganz von allein in Kontakt: mit landestypischen Speisen und Essgewohnheiten. So vielfältig wie die Länder, so unterschiedlich sind auch ihre Geschmäcker, bevorzugten Speisen und Tischsitten. So kann man sich schon beim Pasta Essen in Italien mitunter leicht blamieren  –  ganz zu schweigen von wirklich „exotischen” Ländern. In unseren „Einblicken” zeigen wir Ihnen, wie Sie beim Lunch mit Geschäftspartnern weltweit eine gute Figur machen. Wagen Sie mit uns einen Blick über den eigenen Tellerrand.
 

DEUTSCHLAND: Ellenbogen vom Tisch

Die deutsche Küche ist sehr vielfältig und weist viele regionale Besonderheiten auf. Typisch deutsche Gerichte reichen von Königsberger Klopsen in Nordostdeutschland über Spätzle und Maultaschen in Schwaben bis hin zu Weißwürsten und Schweinebraten mit Klößen in Bayern. Weltweit am bekanntesten und als „typisch deutsch” gelten übrigens die Königsberger Klopse.
 

Schlürfen, Schmatzen und Rülpsen am Tisch sind verpönt. Auch Geklapper mit Besteck und Geschirr sollte möglichst vermieden werden und die Hände mit den Handgelenken auf dem Tisch sichtbar sein. Die Ellenbogen sollten beim Essen nicht auf dem Tisch aufgestützt werden.
 

 
 
CHINA: Vorsicht mit den Stäbchen

Was anderwo verpönt ist, gilt in China als Kompliment: Schlürfen und Rülpsen beim Essen zeigen dem Koch, dass dem Gast das Essen schmeckt und er sich wohlfühlt. Beim Essen aber sollten die Stäbchen keinesfalls gekreuzt oder in den Reis gesteckt werden – das ist nur bei einem Leichenschmaus zu Ehren des Toten gestattet. Auch sollten die Stäbchen nicht aneinander gerieben oder abgeleckt werden.
 
 

ITALIEN: Hier geht es um den richtigen Dreh

Wohl kein echter Italiener würde Spaghetti Bolognese essen  –  erst recht nicht mit einem Löffel. Denn die Nudel passt einfach nicht zur Sauce. Damit die Bolognese richtig an der Nudel haftet, eignen sich z.B. eher Rigatoni. Und: Italiener essen Nudeln nur mit einer Gabel  –  Löffel und Messer sollten also schnell beiseite gelegt werden. Auch dürfen die Spaghetti in Italien weder abgeschnitten noch abgebissen werden. Spaghetti essen ist also gar nicht so einfach.
 
 

SCHWEDEN: Das Land der Fleischbällchen

Die traditionellen schwedischen Fleischbällchen Köttbullar werden aus gemischtem Hackfleich, Zwiebeln, Semmelbröseln, Eiern, Wasser, Salz und Pfeffer hergestellt. Serviert mit Kartoffeln, einer braunen Sauce und Preiselbeeren ist das schwedische Nationalgericht besonders bei Familienfesten beliebt. Ganz wichtig: Entgegen der in Deutschland weit verbreiteten Artikulation werden die Fleischbällchen korrekt „Schöttbüllar” ausgesprochen.
 
 

USA: Willkommen im Wilden Westen

In den USA sind Frühstück und Abendessen oft besonders üppig. Neben Cornflakes in allen erdenklichen Variationen frühstücken die Amerikaner auch gerne Donuts, Pancakes oder Muffins. Am Abend genießt man einen Burger oder im Sommer besonders gerne ein Barbecue im großen Kreis, mit Freunden, Nachbarn und der Familie.
 

In den USA wird oft nur mit einer Hand gegessen. Einer Legende nach ist das auf die Zeit des Wilden Westens zurückzuführen. Da man sich stets in Acht nehmen musste, blieb eine Hand wohl auch während des Essens auf der Waffe. Daher soll es rühren, dass bis heute viele Amerikaner ihr Essen zerschneiden und es anschließend nur mit einer Gabel, einhändig zu sich nehmen. Die andere Hand liegt heute meist einfach im Schoß.
 
 

RUSSLAND: Bloß nicht aufessen

Russland ist bekannt für seine deftigen Eintöpfe und Teigwaren. Den Teller allerdings leer zu essen, ist in Russland kein gutes Zeichen  –  der Koch würde denken, er hätte zu wenig oder nicht gut gekocht. Daher sollte man in Russland aus Höflichkeit einen Rest seines Essens auf dem Teller übrig lassen, wenn man satt ist. So weiß der Koch, dass er seine Aufgabe gut gemacht und ausreichend gekocht hat. Meist darf ein Gläschen Wodka nach dem Essen keinesfalls fehlen.
 
 

BRASILIEN: Vielfalt auf den Tellern

So facettenreich wie der brasilianische Karneval ist auch die Küche in Brasilien. Das Land erstreckt sich über 4 Klimazonen und vereint u.a. afrikanische, portugiesische und indianische Einflüsse. Während an den Küsten im tropischen Norden Fisch und Meeresfrüchte auf den Tellern vorherrschen, ist die Küche in den inneren Landesteilen mit vielen Früchten und Wurzeln afro-brasilianisch geprägt. Weiter im Süden werden besonders gerne Fleischgerichte, am liebsten vom Grill, verzehrt. „Die brasilianische Küche” ist also kaum zu definieren.
 
 

SPANIEN: Wo Müll auf dem Boden ein gutes Zeichen ist

Spanien ist bekannt für seine Tapas. Oft gibt es in den Bars zum ersten Getränk ein Häppchen kostenlos. Vor vielen Servietten und Olivenkernen auf dem Boden sollte man sich dabei keinesfalls abschrecken lassen, sondern erst recht eintreten  –  offenbar sind die Tapas gut und die Bar ist sehr beliebt. Die Entsorgung der Abfälle auf dem Boden gehört in Spanien eben einfach dazu.
 
Das gemeinsame Essen findet in Spanien grundsätzlich später statt. Das Mittagessen beginnt selten vor 14:30 Uhr, das Abendessen meist nicht vor 22:00 Uhr. Im Restaurant sollte man darauf warten, vom Kellner einen Platz zugewiesen zu bekommen. Sich einfach selbst einen freien Tisch zu suchen oder zu fragen, ob man sich an einem Tisch dazusetzen kann, wird in Spanien wenig geschätzt.
 
 

FRANKREICH: Essen als Kulturerbe

Gutes, ausgiebiges Essen gehört in Frankreich zur Lebensart. Die „Haute Cuisine” Frankreichs gilt als Schlemmerparadies für Feinschmecker und Gourmets. So wurde die französische Küche sogar zum UNESCO-Kulturerbe erhoben. Unsere französischen Nachbarn legen übrigens besonders großen Wert auf die korrekte Verwendung des Bestecks – nur das Baguette darf keinesfalls mit dem Messer geschnitten, sondern sollte mit der Hand in kleine Stücke gebrochen werden.
 

Auch in unserem Nachbarland gibt es einige Besonderheiten, die es zu beachten gilt: Auch wenn die Suppe heiß ist, sollte man sie nicht durch Pusten versuchen abzukühlen. Auch wenn der Käse noch so gut schmeckt, sollte die Käseplatte nie komplett geleert werden. Auch wenn das Essen besonders mundet, sollten Geräusche wie Schmatzen beim Essen unbedingt vermieden werden.
 
 

INDIEN: Etwas Scharfes auf den Tellern

Weder mit Löffel noch mit Gabel essen die Menschen in Indien. Mit den Fingern und einem Stück Fladenbrot, z.B. Naan oder Roti, werden hier die Speisen verzehrt. Doch bloß nicht mit der linken Hand, denn sie gilt in Indien als unrein. Vor den verschiedenen Gängen sollte man sich zudem mehrmals die Hände waschen. Übrigens stammt auch das laut Forbes Traveler schärfste Gericht der Welt aus Indien: Phaal, ein Curry-Hühnchen mit Bhut Jolokia Chili, einer der schärfsten Chilisorten weltweit.
 
 

NEUSEELAND: Land der Kiwi

Pavlova, eine mit Sahne und Kiwi gefüllte Baiser-Torte, gilt als berühmtestes Dessert Neuseelands – jedoch wird sie auch von Australien als Nationalgericht beansprucht. Übrigens erhielt die Kiwi erst mit dem Export von Neuseeland in die USA ihren heutigen Namen. 1962, zu Zeiten des Kalten Krieges, herrschte eine antikommunistische Stimmung im Land, weswegen die exotische Frucht unter ihrem ursprünglichen Namen „Chinesische Stachelbeere” nicht angenommen wurde. Auf der Suche nach einem neuen Namen fiel die optische Ähnlichkeit der kleinen Frucht zum neuseeländischen Nationalsymbol, dem Kiwi-Vogel, ins Auge  –  seither verkauft sich die Kiwi auch in den USA sehr gut.
 
 

JAPAN: Schlürfen, Schmatzen und Rülpsen erwünscht

Reis ist in Japan Grundnahrungsmittel und den Japanern heilig. Am Ende jedes Essens gibt es noch 2 Schälchen Reis pur, die nach Möglichkeit aufgegessen werden sollten. Von den übrigen Speisen kann gerne ein Anstandsrest übrig gelassen werden. Das in Deutschland als Inbegriff der japanischen Küche geltende Sushi wird in Japan nur zu besonderen Anlässen verspeist.
 

Japaner essen traditionellerweise an niedrigen Tischen, auf dem Boden sitzend. Männer setzen sich dabei in den Schneidersitz, Frauen am besten auf die Fersen. Schlürfen, Schmatzen und Rülpsen sind  –  ähnlich wie in China  –  in Japan ausdrücklich erwünscht, um dem Koch ein Kompliment zu machen. Mit den Stäbchen jedoch darf keinesfalls Essen aufgespießt oder auf andere Leute gezeigt werden, auch Ablecken oder Kauen auf den Stäbchen ist verpönt.
 
 

MEXIKO: Messer und Gabel aus der Hand

In der mexikanischen Küche wird viel mit Bohnen, Gemüse, Reis und Chillis gekocht. Typisch sind Tortillas, Tacos und Guacamole; Süßspeisen werden besonders gerne mit heimischer Vanille zubereitet  –  sie gilt weltweit als Königin unter den Gewürzen. Übrigens war ihre Gewinnung bis 1841 ausschließlich in Mexiko möglich, da nur dort die zur Bestäubung notwendigen Tierarten vorkamen. Erst seit Entdeckung der künstlichen Bestäubung per Hand wird die Vanille in zahlreichen Ländern weltweit angebaut.
 

In vielen Gebieten Mexikos werden Messer und Gabel durch eine Tortilla ersetzt. Mit verschiedenen Zutaten gefüllt und zusammengefaltet oder gerollt entsteht so ein inzwischen weltweit beliebtes Fingerfood. Wer Messer und Gabel zu Hilfe nimmt, wird schnell schräg angesehen und als Snob abgestempelt.
 
 

POLEN: Hauptsache Fleisch

Die polnische Küche ist herzhaft und sehr fleischlastig  –  der Fleischkonsum zählt zu den höchsten weltweit. Ein polnisches Nationalgericht mit vielen Variationen sind Piroggen. Sie sind in ganz Polen sehr beliebt und werden typischerweise mit Fleisch, Pilzen oder Kartoffeln, Quark und Pfeffer gefüllt. Die sog. „Pierogi ruskie” mit Kartoffeln und Quark stammen aber nicht, wie es der Name vermuten lässt, aus Russland, sondern aus dem Osten Polens. In der Herstellung per Hand sind sie sehr aufwändig.
 
 

AUSTRALIEN: Tee auch bei Hitze beliebt

Die australische Küche ist sehr vielfältig und stark von englischen Einflüssen geprägt. So wird auch im warmen Australien äußerst gerne Tee getrunken. Besonders oft kommt bei den Australiern Fleisch  –  am liebsten in Form eines Barbecues  –  auf den Tisch, aber auch Meeresfrüchte und Fisch sind beliebt. In Bars und Pubs wird i.d.R. kein Trinkgeld gegeben. Auch in Restaurants ist es nicht obligatorisch, Trinkgeld zu geben. Lediglich in etwas gehobeneren Restaurants wird etwa 10 Prozent der Kosten zusätzlich als Trinkgeld auf dem Tisch liegen gelassen.
 
 

TÜRKEI: Süß, süßer, Baklava

Sehr bekannt ist das süße türkische Gebäck Baklava. Es wird aus Blätter- bzw. Filoteig hergestellt und mit Walnüssen, Mandeln oder Pistazien gefüllt. Eingelegt in Sirup sollte das Baklava über Nacht stehen bleiben, damit es richtig durchzieht und dann besonders süß und saftig schmeckt.
 

Bei einer privaten Einladung ist es durchaus üblich, sich zum Essen auf große Kissen auf den Boden zu setzen. Am besten setzt man sich dabei in den Schneidersitz – denn es gilt als unhöflich, den anderen die Fußsohlen zu zeigen. Nach einem Begrüßungstee beginnt das Festmahl. Hier ist darauf zu achten, Gabel oder Löffel mit der rechten Hand zu halten, da  auch in der Türkei  die linke Hand als unrein gilt.
 

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In Berlin existieren mehr Dönerbuden als in Istanbul. Zudem ist der Döner, wie wir ihn kennen, kein typisch türkisches, sondern ein deutsches Produkt. Kadir Nurman kreierte Anfang der 1970er Jahre in Berlin das gefüllte Fladenbrot; zuvor wurde das Kebab-Fleisch ausschließlich auf dem Teller serviert. In der Türkei kommt der deutsche Fast Food-Klassiker jedoch gar nicht gut an – Yilmaz Baltaci witterte ein Geschäft und wollte den deutschen Döner in seiner Heimatstadt Istanbul salonfähig machen. Doch er scheiterte, denn die Türken essen ihren Döner lieber ohne Salat und Sauce, lediglich mit Tomaten und Pepperoni – dafür aber mit Pommes. 
 

GESCHMÄCKER SIND EBEN UNTERSCHIEDLICH!

 
Quellen: statista.de, stern.de, DERTOUR.de, kochschule.de.   

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