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Internationalisierung „Made by Germany“ – Strategien in Corona-Zeiten

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veröffentlicht am 1. Juni 2021 / Lesedauer ca. 3 Minuten
 

Internationalisierung und Globalisierung –  zwei Begriffe, die untrennbar mit dem Erfolg deutscher Unternehmen verbunden sind. Die weltweite Wertschätzung für Waren und Dienstleistungen „Made in Germany“ ist ungebrochen. Die weiterhin stetige Nachfrage nach Erzeugnissen aus Deutschland beflügelt den Drang der hiesigen Unternehmen, weltweite Kunden noch schneller und kostengünstiger zu beliefern. Die Corona-Pandemie zwingt jedoch dazu, bisherige Vermarktungs- bzw. Vertriebskonzepte zu überprüfen und anzupassen.

  

  

Internationalisierung als Erfolgstreiber

Ohne Zweifel sind Internationalisierung und Globalisierung aus dem Geschäftsmodell deutscher Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Die beiden Begriffe beschreiben nur verkürzend, aber dennoch prägnant, zwei wesentliche Wettbewerbsvorteile deutscher Produkte und Unternehmen. 

Lange Zeit galt das strategische Interesse der Unternehmensführung der Zergliederung eines Produktes in seine Komponenten, um sie jeweils an dem dafür am besten geeigneten Standort produzieren zu lassen. Die Automobilherstellung in Mittelamerika, die Pharmaproduktion in Indien sowie die Textilfertigung in Bangladesch sind nur wenige Beispiele, wie weltumspannend gedacht werden muss. Sinnvollerweise sollte daher das faktische Wertsiegel „Made in Germany“ in „Made by Germany“ umbenannt werden. Die Fähigkeit, ein Produkt in seine einzelnen Bestandteile zerlegen zu können und sie deshalb an dem dafür kosten­günstigsten Ort weltweit fertigen zu lassen, sollte mit den Vorteilen der lokalen Produktion kombiniert werden. 
 

Anfälligkeit der Lieferketten

Im März 2020 erfuhr die internationale Expansion einen herben Dämpfer: Innerhalb weniger Tage wurden bewährte Lieferketten unterbrochen, Vorprodukte waren nicht mehr erhältlich und Fließbänder standen in den weltweiten Werkstätten still. Nicht nur deutsche Unternehmen mussten erfahren, dass die globale Auslagerung einzelner Produktionsschritte und -komponenten höchst problematisch ist, wenn Länder ihre Grenzen plötzlich schließen oder die Produktion einstellen. Da der „Lockdown“ kein Land verschont, sind Alternativ-Lieferanten auf den Weltmärkten kaum verfügbar. Wie beruhigend wäre es gewesen, die begehrten Vorprodukte in ausreichendem Umfang in heimischen Lagern zu wissen, um die Waren in Deutschland erzeugen zu können. Eine schmerzliche Konfrontation mit der Abhängigkeit von weltweiten Lieferketten. Ohne funktionierende Organe wird der gesamte Kreislauf erhebliche Probleme bekommen – bis zum vollständigen Zusammenbruch.

Chancen durch Handelsabkommen 

Der ungebremste Transport von Waren und Gütern wird nicht zuletzt durch die weltweiten (Frei)-Handels­abkommen gesichert. Sie vereinfachen bürokratische Abläufe und reduzieren oder beseitigen Zölle. Im Jahr 2020 / 2021 mussten Unternehmen jedoch die schmerzhafte Erfahrung machen, dass Abkommen nicht per se unbeschränkt gültig und schon gar nicht auf Ewigkeit angelegt sind. Es handelt sich schlicht um Verträge, die gekündigt werden können. Einzelne Kontraktpartner verfolgen vornehmlich ihre Nationalinteressen und können aus Opportunität eigene Handelsvereinbarungen mit anderen Staaten treffen. Ein aktuelles Beispiel war der Abschluss des asiatischen Freihandelsabkommens Regional Comprehensive Economic Partnership (RECP) unter der Führung von China. Der Titel des Abkommens mag zunächst unspektakulär klingen, die Wirkung ist gleichwohl einschneidend, denn das Abkommen umfasst nicht weniger als ein Drittel des Welthandels.

Auch auf dem afrikanischen Kontinent trat am 1. Januar 2021 das Panafrikanische Freihandelsabkommen in Kraft (AfCFTA). So wächst z.B. auf der Arabischen Halbinsel das Bestreben nach steigender weltweiter Geltung. Freihandels-/Kooperationsabkommen und die Beherrschung von Spitzentechnologie zeigen die kommende Entwicklung. Eindrucksvoll belegt wird das u. a. durch das eigene Raumfahrtprogramm der Vereinigten Arabischen Emirate.


Beobachten ist gut, Gestalten ist besser

Die Politik wird sich auf neue Handelsblöcke und Abkommen einstellen und versuchen, eine gestaltende und nicht nur beobachtende Rolle einzunehmen. Durch den Abschluss eigener Abkommen insbesondere mit neuen Handelsverbünden wird die Grundlage für eine prosperierende Tätigkeit der heimischen Unternehmen gelegt. Gleichzeitig müssen die Lieferketten überprüft und im Lichte der Erkenntnisse der Corona-Pandemie ggf. neu bewertet werden. Eine „Deglobalisierung“ scheint wenig aussichtsreich zu sein. Gleichwohl müssen fortgesetzte Globalisierungsstrategien ständigen Analysen unterzogen werden. Es gilt, frühzeitig Alternativen für den Fall eines Lieferstopps oder eines großflächigen Produktionsausfalls aufzubauen. Das kann wiederum mit einer zumindest temporär eigenen Lagerhaltung in Deutschland oder im grenznahen EU-Ausland einhergehen. Die Vorteile der Internationalisierung überwiegen jedoch nach wie vor die Nachteile. Die Unternehmen dürfen ihre aktive Rolle und Verantwortung auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen. Chancen bieten sich jeden Tag und müssen genutzt werden. Zum weltweiten Wohl aller Beteiligten.
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