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Hehre Ziele, falsche Wege – ‚Schlüsselfaktor‘ Mensch bei Accounting Fraud

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veröffentlicht am 9. Februar 2021 / Lesedauer ca. 2 Minuten
 

Die Corona-Krise verursacht schwere wirtschaftliche Schäden und bedroht viele be­kannte Geschäftsmodelle. Damit steigt auch die Gefahr persönlicher Konsequenzen; Sorgen um die eigene Vergütung oder die Arbeitsplatzsicherheit nehmen zu. Umso mehr Bedeutung könnte daher gerade in Krisenzeiten der Erreichung betriebs­wirt­schaft­licher Ziele oder persönlicher Vorteile beigemessen werden. Damit geht das Risiko einher, dass die Ziele mit außerhalb des erlaubten Rahmens liegenden Mitteln verfolgt werden (Accounting Fraud). Im Zentrum all dessen steht stets der Mensch.

  

  

Accounting Fraud hat viele Gesichter. Als mögliche Ausprägungen kommen etwa bewusst falsche Informa­tionen, die Fiktion oder Unterschlagung von Geschäftsvorfällen, absichtlich falsche Bewertungen oder gar die Bereicherung auf Unternehmenskosten in Betracht. Im Fokus stehen dabei immer die handelnden Personen. Einen konzeptionellen Rahmen für die Erklärung unlauteren Handelns generell und des Accounting Fraud im Speziellen bietet das sog. „Fraud Triangle”, das drei Elemente umfasst: Anreiz bzw. Druck, Gelegenheit sowie innere Einstellung bzw. Rechtfertigung.

 

Anreiz und Druck

Anreizsituationen können gemäß früheren Erfahrungen aus vielfältigen Gründen entstehen: So können etwa finanzielle Sorgen, ein subjektives Ungerechtigkeitsempfinden oder Benachteiligungen einen individuellen Druck erzeugen. Anreize, bestimmte Ziele unbedingt erreichen zu wollen, könnten zudem durch ein ausge­prägtes Geltungsbedürfnis motiviert werden.

 

Im aktuell oft schwierigen ökonomischen Umfeld dürfte der individuell wahrgenommene Druck zumindest stellenweise groß sein. Denkbar sind Sorgen um die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes oder das finanzielle Auskommen. Frühere Bilanzskandale legen nahe, dass auch die Verschleierung der tatsächlichen, womöglich unvorteilhaften Unternehmenslage angestrebt werden könnte. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen könnte die aktuelle Corona-Krise zu möglichen Motiven für eine bewusst verzerrte Darstellung der wirtschaftlichen Lage führen  –  etwa mit Blick auf rechtliche Anforderungen (z.B. Insolvenzrisiken/-tatbestände). Auch die Bedingungen für die Beantragung und Verwendung öffentlicher Stützungsmaßnahmen könnten Anreize für die gezielte Einflussnahme auf die Anspruchsvoraussetzungen schaffen. Das jeweilige Anreizpotenzial ergibt sich somit aus den individuellen Motiven der handelnden Personen und kann durch äußere Umstände verstärkt werden.

 

Gelegenheit

Unlautere Handlungen müssen durch nicht vorhandene oder mangelhafte Kontrollen überhaupt erst ermöglicht werden. Im Unternehmenskontext nehmen das interne Kontrollsystem (IKS) sowie Überwachungsorgane (Aufsichtsrat, Beirat, Gesellschafter, etc.) eine zentrale Stellung zur Vermeidung entsprechender Gelegenheiten ein. Vergangene Bilanzskandale lehren jedoch, dass auch die bewusste Umgehung oder Außerkraftsetzung bestehender Kontrollen durch entsprechend befugte Personen mit den erforderlichen Kenntnissen und technischen Fertigkeiten in Betracht kommen. Auch wenn oft höhere Managementebenen oder Spezialisten aus dem Rechnungswesen in dolose Handlungen verstrickt waren, beschränkten sie sich keineswegs auf diesen Kreis. Sehr wohl war Accounting Fraud auch schon auf niedrigeren Hier-archie-Ebenen beobachtbar, etwa wenn Sachbearbeiter bspw. mithilfe von fiktiven Lieferanten „in die Kasse greifen“.

 

Innere Einstellung und Rechtfertigung

Die relevante Forschung zeigt, dass Fraud-Träger sich oftmals nicht als Kriminelle sehen und als Ersttäter agieren. Insofern spielt die innere Rechtfertigung der eigenen Handlungen eine gewichtige Rolle vor dem Hintergrund des Strebens nach der Aufrechterhaltung eines positiven Selbstbildes, etwa durch die Verharm­losung der eigenen Taten. Persönliche Wertevorstellungen und Prägungen sind dafür zentral, sodass dieses dritte Element besonders durch den ‚Faktor’ Mensch geprägt wird.

 

Fazit

Das Fraud-Risiko ergibt sich aus den drei skizzierten Elementen und steigt bei gleichzeitigem Auftreten, wobei alle Unternehmensebenen betroffen sein können. Die aktuelle wirtschaftliche Lage erzeugt tendenziell Druck auf den Menschen und könnte unlautere Handlungen somit begünstigen. Die Ausgestaltung interner Kon­trollen und deren Überwachung auf allen Ebenen sind daher eminent wichtig. Entscheidend ist am Ende jedoch der individuelle Wertekompass eines jeden einzelnen, denn hehre Ziele können und dürfen per se nicht alle denkbaren Wege zu deren Erreichung legitimieren. Deshalb ist der ‚Faktor’ Mensch nicht nur in diesen Zeiten von entscheidender Bedeutung.

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