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EU-Offenlegungsverordnung: „Nachhaltige” Heraus­for­de­rung für Kapitalanlagen

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veröffentlicht am 7. April 2021 | Lesedauer ca. 2 Minuten


Am 10. März 2021 ist die EU-Verordnung „über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungs­pflichten im Finanzdienstleistungssektor” (Offenlegungsverordnung) in Kraft getreten. Als Teil des EU-Aktionsplans für ein nachhaltiges Finanzwesen, sollen damit u.a. die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden.


Zur Umsetzung der Ziele der Klimakonferenz von Paris 2015 (UN 2030 Agenda for Sustainable Development) wurde 2018 der EU-Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen ins Lebens gerufen. Ziele des Aktionsplans sind die Umlenkung privaten Kapitals in nachhaltige Investments, wobei es für Letztere eine einheitliche Kennzeichnung geben soll (Taxonomie), die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit (Offenlegung, Unternehmensführung) sowie die Verankerung der Nachhaltigkeit im Aufsichtsrecht (Risikomanagement, Rating, Kapitalanforderungen).

Entsprechend ist vorderstes Ziel der Offenlegungsverordnung eine einheitliche Transparenz zu gewährleisten, ob es sich um nachhaltige Produkte bzw. nachhaltige Kriterien berücksichtigende Produkte handelt oder nicht. So ist es auch kein „Muss”, ein nachhaltiges Finanzprodukt im Sinne der Offenlegungsordnung zu sein. Anleger sollen bei ihrer Investition nur vollständig informiert sein und durch die Vereinheitlichung von Art und Umfang der Informationen Produkte besser vergleichen können.

Vor dem Hintergrund sollten Anbieter von Kapitalanlagen für sich strategisch entscheiden, wie sie sich künftig zum Thema ESG aufstellen wollen, da sich der gesellschaftliche Wandel auch auf die Nachfrage nach nach­haltigen Finanzprodukten auswirken wird.

Die Offenlegungsverordnung unterscheidet zum einen zwischen Finanzmarktteilnehmern (hier finden sich insbesondere die Kapitalverwaltungsgesellschaften wieder) und Finanzberatern (insbesondere Banken und Wertpapierfirmen). Eine weitere Unterscheidung erfolgt darin, ob die von der Offenlegungsverordnung geforderten Informationen auf Unternehmensebene oder auf Produktebene zur Verfügung gestellt werden müssen.


Des Weiteren werden drei Informationsbereiche unterschieden:


Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken

Information dazu, wie in strategischer Hinsicht Nachhaltigkeitsrisiken einbezogen werden. Die Betroffenen haben ihre Strategien des Umgangs mit Nachhaltigkeitsrisiken in Bezug auf Investitions-/Beratungsprozesse offenzulegen. Werden Nachhaltigkeitsrisiken für nicht relevant gehalten, muss das klar und knapp begründet werden.


Principle Adverse Impacts (PAI)

Informationen zum Umgang mit nachteiligen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren. Es gilt darzulegen, ob die wichtigsten nachteiligen Auswirkungen der Anlageentscheidungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren berück­sichtigt sind/bei der Anlageberatung berücksichtig sind bzw. ist es zu begründen, warum das ggf. nicht der Fall ist.


Produktkategorien

Information darüber, um was für ein Produkt es sich handelt mit entsprechenden Folgepflichten. Es wird zwischen nicht-nachhaltigen Finanzprodukten, sog. ESG-Strategieprodukten und sog. Impact-Produkten unterschieden.

Innerhalb der vorvertraglichen Informationen (z.B. Verkaufsprospekt) ist darzulegen, wie die ESG-Merkmale erfüllt bzw. Nachhaltigkeitsziele erreicht werden bzw., ob das Produkt in keine der beiden Kategorien einzuordnen ist.

Eine Zusammenfassung vorstehender Informationen auf zwei Seiten soll dann auf dem eigenen Internetauftritt abrufbar sein. Künftig müssen solche und weitere Informationen dann auch in die regelmäßigen Berichte (Jahresabschluss) einfließen.

Die erste relevante Umsetzung erfolgte am 10. März 2021, weitere Pflichten folgen mit Ende des laufenden / Anfang des nächsten Jahres. Zum jetzigen Zeitpunkt hat sich zu den geforderten Darstellungen noch keine einheitliche Praxis entwickelt. Die sog. Level 2-Maßnahmen, die die eigentlichen Details regeln, sind noch nicht abschließend ausgearbeitet und treten erst 2022 in Kraft. Auch die BaFin hat sich zu einer künftigen Verwal­tungspraxis bzgl. der Offenlegungs- oder Taxonomieverordnung bisher noch zurückge­halten.


Fazit

Die EU-Offenlegungsverordnung (nicht zuletzt auch im Zusammenspiel mit der Taxonomieverordnung) wird die Anbieter, Verwalter und den Vertrieb von Kapitalanlagen nachhaltig beschäftigen – sowohl in der konkreten Umsetzung der Anforderungen des Regelungswerkes als auch im Hinblick auf die grundsätzliche strategische Ausrichtung für die Zukunft.

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